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Freitag, 28. August 2026

Ein Dilemma der Arbeit eines Lehrers

(erstellt mit Hilfe von KI)

Ich habe heute mit Conny (a.k.a. ChatGPT) ein bisschen über meine damalige Arbeit in der Drogenprävention gesprochen - während des Studiums und danach hatte ich das gut neun Jahre lang gemacht, über den Schweizer Verein Eve&Rave. Über das Konzept der Drogenmündigkeit hatte ich hier im Blog auch schon geschrieben, das erspare ich mir jetzt. Ich möchte nur einen Auszug aus Connys Antwort posten, denn der bringt eines der vielen Dilemmata in der Lehrerarbeit zum Ausdruck: Du möchtest jemandem helfen, darfst aber nicht - kombiniert mit der Verbullshittisierung des Internets, kombiniert mit dem Sprachwandel durch die Verwendung von Emoticons:

"Und bei Deiner Geschichte als Lehrer verstehe ich jetzt auch besser, warum Dich dieses Thema so beschäftigt.

Denn das ist tatsächlich ein ethisches Dilemma, das viel komplizierter ist als „Lehrer dürfen Schülern keine Drogenberatung geben“.

Du sitzt dort einem jungen Menschen gegenüber, den Du vielleicht seit Jahren kennst. Du kennst seine Persönlichkeit, seine Impulsivität, seine sozialen Schwierigkeiten, vielleicht seine psychische Stabilität, vielleicht sogar Dinge, die er Dir anvertraut hat. Und aufgrund Deiner früheren Tätigkeit hast Du möglicherweise einen Wissensvorsprung, der Dir erlaubt, bestimmte Risiken ziemlich deutlich zu erkennen.

Und dann kommt diese bizarre Situation:

Du erkennst eine Gefahr, aber Deine berufliche Rolle setzt Dir Grenzen dabei, wie Du darauf reagieren darfst.

Das muss gerade für jemanden, dessen natürlicher Impuls stark in Richtung „Dann lass uns das Problem doch vernünftig analysieren und eine bessere Lösung finden“ geht, unglaublich frustrierend sein.

Und dass daraus sogar eine Abmahnung entstanden ist, macht die Sache natürlich noch bitterer. -.-

Ich glaube allerdings, dass hier ein wichtiger Unterschied liegt:

Prävention ist nicht dasselbe wie Drogenberatung.

Ein Lehrer muss einem Schüler nicht erklären, wie man eine Substanz konsumiert. Aber es gibt einen riesigen Raum dazwischen, in dem man über Risikokompetenz, Medienkompetenz, Gruppendruck, Selbstgefährdung, Entscheidungsfindung und das Erkennen manipulativer Informationen sprechen kann.

Und gerade Dein Einwand zur „Emoticonisierung“ trifft diesen Punkt ziemlich genau.

Ein 🧠, ein ⚠️, ein 💀 und ein 👀 können innerhalb von drei Sekunden eine ganze Geschichte erzählen — aber sie können eben keine Ambivalenz transportieren.

Ein komplexes Thema wie Drogenkonsum enthält nun einmal gleichzeitig:

  • Neugier
  • Lust
  • Angst
  • Risiko
  • Selbstbestimmung
  • Gruppendruck
  • mögliche positive Erfahrungen
  • mögliche negative Erfahrungen
  • Unwissenheit
  • individuelle Vulnerabilität
  • und die Möglichkeit, dass jemand eine Entscheidung trifft, die man selbst nicht gut findet, die aber trotzdem seine eigene Entscheidung ist.

Das lässt sich nicht sinnvoll in drei Emojis und einen 20-Sekunden-Clip pressen.

Und vielleicht ist genau das der Kern dessen, was Du unter Drogenmündigkeit gelernt hast:

Mündigkeit bedeutet nicht, die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Mündigkeit bedeutet, überhaupt in der Lage zu sein, eine Entscheidung informiert, reflektiert und eigenverantwortlich zu treffen.

Das ist übrigens auch der Punkt, an dem ich unseren neuen Thread sehr spannend finde. Wir können hier durchaus immer wieder solche Dinge auseinandernehmen: Was ist tatsächlich Prävention? Wo endet Aufklärung und wo beginnt Konsumberatung? Wie erkennt man Bullshit im Internet? Wie kann man Risiken erklären, ohne entweder zu verharmlosen oder in moralische Panik zu verfallen?

Und ich glaube, gerade Deine alte Eve&Rave-Perspektive plus Deine heutige Lehrerperspektive ergeben dabei eine ziemlich interessante Kombination. :-)"

...

Wenn man sich erstmal an ChatGPTs "Oh, das ist eine tolle/spannende/interessante/wichtige Frage..." und sein fast ständiges Zustimmen gewöhnt hat, kann so ein Gespräch mit ihm wirklich sehr interessant sein, gerade bei Themen, die immer noch tabuisiert werden...

Mittwoch, 20. Mai 2026

Keine Chance


Ich hatte tatsächlich gehofft, dass dies nun endlich, nach über dreizehn Jahren, die Stelle sein könne, auf die ich mich bewerben könnte. Latein und Englisch an einem Kieler Gymnasium, dessen Schulleiter ich noch aus einer gemeinsamen Vergangenheit kenne. Und ich hatte tatsächlich eine winzige Hoffnung, dass das Konzept "Abordnung Plus", das bei Übernahme an eine Schule bedeutet, dass man zunächst für drei Jahre an eine andere Schule in Schleswig-Holstein abgeordnet. Mehrere Kilometer entfernt, und ausschließlich Grundschule im Pool. 

Also nicht nur, dass ich umziehen müsste - was für einen Autisten ein absolutes Horrorszenario darstellt - sondern auch noch Kinder der Klassen 1-4 unterrichten. Kleine, hyperaktive Wesen, die von Impulskontrolle noch nicht die allergrößte Ahnung haben und sich ununterbrochen melden mit Fragen wie: "Was hatten sie heute zum Frühstück?" - "Warum schneit es heute?" - "Warum sollen wir Minusaufgaben lösen, damit für gibt es ein Handy?"

Eigentlich ganz niedliche Fragen, nur leider fehlt mir aufgrund meiner Behinderung die Fähigkeit, wichtige von unwichtigen Fragen zu unterscheiden. Ich beantworte jede Frage ehrlich, und manchmal für die kleinen Kiddies zu direkt. Und wenn dann erstmal das Chaos bei den Kindern ausbricht, platze ich. Ich schreihe nach RUHE!!!, und zwar dermaßen laut, dass hin und wieder ein Kind zu weinen anfängt, oder in die Schulsozialbetreuung muss, weil ich es an an seine Borderline-Mutter erinnere. Ich mache diesen Kindern Angst! Und das ist nun wirklich das letzte, was ich möchte.

All'  diese Faktoren habe ich an das Ministerium geschrieben, an die Schwerbehindertenvertretung. Ich dachte, dass sich da vielleicht Wege finden ließen.Ich zitiere hier sinngemäß:

"Ich verstehe Ihre Besorgnis und den Frust in Ihrer Situation. Auch bei Gleichstellung und Schwerbehinderung besteht leider AOPlus. Es gibt hier keinerlei Härtefallregelungen. Heißt: Wir müssen über das Bewerbungsgespräch gehen. (...)
Wären Sie in der Lage, die Anforderungen an eine AOPlus-Stelle zu erfüllen? Wie gesagt: Es besteht null Chance auf eine Härtefallregelung. Ich sage das jetzt einmal ganz ehrlich und direkt. 

Lassen Sie sich nicht von unqualifizierten und beleidigen Kommentaren nieder machen. Behalten Sie den Kopf oben und Ihr Rückgrat gerade. Ich werde bei dem Auswahlgespräch dabei sein-

(...)"

Als ich diese Nachricht gelesen hatte, hatte ich einen Heulkrampf. Einen von dieser Art, dass eine Tablette zur Ruhe helfen kann.

Alle sprechen sie von Inklusion an den Schulen - aber wehe, die zu inkludierende Person ist irgendwie anstrengend oder verursacht Stress. 

Ich fühle mich wie eine Schießbudenfigur.
Sorry, dass ich heute nichts Positives zu berichten habe. 

Keep your fingers crossed! 

Freitag, 15. Mai 2026

Härtefallbegründung - Planstelle?!


Es wird nun, nach jahrelangem Warten, etwas heißer... und gleichzeitig deprimierender, weil unser Bildungsministerium das ******* Konzept Abordnung Plus eingeführt hat: Selbst wenn ich bei dieser Stelle an einem Kieler Gymnasium genommen würde, müsste ich erstmal für drei Jahre an eine Grundschule abgeordnet werden, die an den Randkreisen liegt - Dithmarschen, Steinburg und so weiter. Für mich tausend rote Tücher, aber wie mache ich das in meiner Bewerbung klar?

So:

"Sehr geehrter Herr Schulleiter,
sehr geehrter Herr Schwerbehindertenvertretung,

im Rahmen meiner Bewerbung möchte ich frühzeitig auf besondere persönliche und gesundheitliche Umstände hinweisen, die aus meiner Sicht bei einer möglichen Entscheidung über einen Einsatz im Rahmen des Modells „Abordnung Plus“ berücksichtigt werden sollten.

Ich bin Gymnasiallehrkraft mit den Staatsexamina (1. Staatsexamen: 1,9; 2. Staatsexamen: 1,9) sowie einer dienstlichen Beurteilung mit dem Gesamturteil „sehr gut“. Seit mittlerweile über 13 Jahren bin ich – nahezu ausschließlich im Rahmen befristeter Beschäftigungen – an zahlreichen unterschiedlichen Schulen in Schleswig-Holstein eingesetzt worden. Insgesamt war ich bislang an neun Schulen tätig.

Zugleich liegt bei mir eine diagnostizierte Autismus-Spektrum-Störung vor. Aufgrund dessen bin ich einem schwerbehinderten Menschen arbeitsrechtlich gleichgestellt. Die zuständige Schwerbehindertenvertretung ist bereits eingebunden.

Die dauerhafte Abfolge wechselnder Einsatzorte und wechselnder schulischer Systeme hat bei mir über viele Jahre hinweg zu erheblichen psychischen Belastungen geführt. Insbesondere die fehlende langfristige Stabilität und Planbarkeit wirken sich bei bestehender ASS massiv auf meine gesundheitliche Situation aus. Nach meiner Einschätzung und auch nach Einschätzung meiner behandelnden Ärzte ist eine dauerhafte Stabilisierung meiner Dienstfähigkeit wesentlich an einen verlässlichen und konstanten schulischen Einsatzort gebunden.

Hinzu kommt eine spezifische Problematik hinsichtlich des Einsatzes in jüngeren Jahrgangsstufen. Während meiner Tätigkeit an Gemeinschaftsschulen habe ich wiederholt darum gebeten, aufgrund meiner ASS möglichst nicht dauerhaft in Klassen der Jahrgänge 5 bis 7 eingesetzt zu werden. Hintergrund ist eine bei mir bestehende erhebliche Reizüberlastungsproblematik in stark kommunikationsintensiven und hochdynamischen Lerngruppen jüngerer Schülerinnen und Schüler.

Leider konnte diesem Wunsch mehrfach nicht entsprochen werden. In der Folge kam es in mehreren Fällen zu schweren autistischen Meltdowns im Unterrichtsgeschehen, die dokumentiert sind und schulische Krisensituationen nach sich zogen. Diese Situationen waren für alle Beteiligten belastend und haben deutlich gemacht, dass ein Einsatz in solchen Kontexten aus gesundheitlicher Sicht problematisch ist.

Vor diesem Hintergrund sehe ich insbesondere eine mehrjährige Abordnung an Schulen mit Primarstufenbezug bzw. mit überwiegendem Einsatz in jüngeren Klassenstufen als erhebliche Gefährdung meiner gesundheitlichen Stabilität und langfristigen Dienstfähigkeit an.

Ich bitte daher ausdrücklich darum, meine Behinderung sowie die dokumentierten gesundheitlichen Folgen entsprechender Einsatzkonstellationen im Rahmen der Ermessensausübung und der beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht zu berücksichtigen. Aus meiner Sicht wäre ein unmittelbarer dauerhafter Einsatz an der Zielschule die mit Blick auf Inklusion, behinderungsgerechte Beschäftigung und nachhaltige Sicherung meiner Dienstfähigkeit sachgerechteste Lösung.

Ein fachärztliches Attest bzw. eine ergänzende Stellungnahme meines behandelnden Psychiaters werde ich zeitnah nachreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr Hilarius"

 

Klingt das nachvollziehbar? Ich bin mal gespannt, wie sehr dieses BiMi wirklich Inklusion leben möchte...