Montag, 19. Juni 2017

Jamaika

Heiner Garg (FDP), Monika Heinold (B90/Grüne), Daniel Günther (CDU)

Ich bin völlig unqualifiziert, was politische Kommentare angeht - sollte mich aber nicht daran hindern, meine Meinung zu äußern. Seit der Mitte meines Studiums interessiere ich mich zumindest ein wenig dafür, was Politik kann - und was sie macht. Und ich räume ein bisschen mit falschen Ansichten in meinem Kopf auf.

So habe ich mich immer vehement gegen die CDU gestellt. Verknöcherte, erzkonservative Ansichten, damit konnte ich nie viel anfangen. Und was Merkel mit ihrem Bauchgefühl begründet, dass nämlich die Ehe für homosexuelle Paare nicht geöffnet werden soll und dass darüber hinaus es weiterhin kein gemeinsames Adoptionsrecht geben soll, diese Punkte haben in meinen Augen die CDU zu einer Partei werden lassen, die mich persönlich diskriminiert - unabhängig davon, ob ich würde heiraten und Kinder adoptieren wollen.

Ich habe damals im Haushaltsausschuss der Kieler Studierendenschaft mit einem Mitglied der JU (Junge Union) zusammen gearbeitet und habe versucht, ihm zu erklären, warum ich nie die JU an der Uni gewählt haben würde; daraufhin hat er mir zu erklären versucht, dass es Unterschiede zwischen Landes- und Bundespolitik einer Partei geben kann. Dass es außerdem teils große Generationsunterschiede in Ansichten innerhalb einer Partei geben kann. Ich habe das zur Kenntnis genommen, aber nie wirklich geglaubt. Bis zur Landtagswahl SH 2017.

Denn dort hat Daniel Günther, Spitzenkandidat der Landes-CDU und voraussichtlicher neuer Ministerpräsident des Landes, in intensivem Wahlkampf klargemacht, dass seine Partei sich für die homosexuelle Ehe inklusive vollem Adoptionsrecht für Paare einsetzt. Mir ist das bewusst geworden, als ich nach Argumenten gesucht habe, warum ich niemals die CDU wählen könnte - habe dann in deren Wahlprogramm geschaut, und wenngleich ich in manchen Punkten immer noch andere Positionen beziehe, so hat sich dieses Argument verflüchtigt. Ich finde es toll, dass Günther Rückgrat zeigt und diese Ansichten auch auf Bundesebene einbringen will.

Der Koalitionsvertrag wird bald beschlossene Sache sein, und Ehe/Adoption sind dort fest verankert. Das finde ich klasse. Dass ich dennoch grün gewählt habe, liegt einfach daran, dass für die Grünen die homosexuelle Gleichberechtigung nie in Frage gestellt wurde - und darüber hinaus setzt sie sich für die Legalisierung von Cannabis ein, ein Modellversuch, den ich sehr begrüßen würde.

Wer sich für mich derzeit vollkommen disqualifiziert hat, ist die SPD - ich bin einfach von diesem Bildungssystem herb enttäuscht worden und verbinde das nun mal untrennbar mit Albig, dessen Arroganz über die letzten zwei Jahre verteilt mich angewidert hat. Dass ich ab August arbeitslos bin, kann ich dagegen keiner Partei anlasten.

Ja, ich habe tatsächlich überlegt, ob ich nicht dieses Mal schwarz wähle. Insofern muss ich zugeben, dass ich mit der Aussicht auf eine Jamaika-Koalition im Land große Erwartungen an die nächsten fünf Jahre stelle. Wollen wir hoffen, dass sich das Bündnis nicht allzu schnell entzweit.

post scriptum: Kommentare ausdrücklich erwünscht! Wie sind Eure Prognosen für die nächsten Jahre? Wird es vielleicht zu gar keinen Veränderungen kommen? Wird das Bündnis vielleicht nicht einmal die gesamte Legislatur überstehen?

Samstag, 17. Juni 2017

Keine Zeit

Das hängt jetzt mittig in meiner Wohnung.

Ich schreibe diesen Beitrag als kleines Zeugnis einer Erkenntnis, die mich heute erreicht hat. Ich wette, ich hatte diese Erkenntnis schon öfters - und es wird mir immer wieder auffallen. Wenn ich gerade mal nicht HB-stylisch absorbiert bin in irgendwelchen Aktivitäten (Trackmania-Strecken kennenlernen, Lara Croft durch Unterwasserruinen scheuchen, X-Files mittlerweile in der achten Staffel genießen, sollte ich nicht eher korrigieren?), blicke ich um mich herum und entdecke das Chaos. Müll. Geschirr. Staub. Wäsche. Alles liegt überall. Und ich frage mich immer wieder: Wie konnte es so weit kommen?

Und ich schiebe es mal wieder auf die hochbegabte Sichtweise der Dinge: Ich überlege mir gut, was ich mit meiner Zeit - Denkzeit - anfangen möchte. Und plane schon immer drei Schritte voraus, das ist nichts Neues. Dann horchen wir doch mal in die Gedanken hinein:

"Du müsstest den Teller und das Besteck vom Couchtisch noch in die Spülmaschine räumen. Ja, aber warte mal, das dauert, das mache ich später. Jetzt muss ich erstmal diese Rennstrecke zu Ende fahren."

"Das Bad wollte ich schon längst gewischt haben, aber das dauert so lange, das mache ich nicht jetzt, sondern später, denn jetzt passt es gerade nicht hinein."

"Ach ja, die Wäsche müsste ich noch abnehmen, die ist trocken, aber das dauert eine Viertelstunde und ich möchte mich nicht aus meinem Flow bringen lassen."

"Ja, erstmal den Blogeintrag. Dann noch schnell mit Lara, nur eben da den Schlüssel holen, das geht ganz schnell, danach dann."

Der aufmerksame Leser bemerkt: Es ist nicht Faulheit, es passt nur gerade einfach nicht mit dem Abwasch, Durchwischen, Wäscheabnehmen und Konsorten. Ich finde immer eine Erklärung, warum ich jetzt gerade keine Zeit habe, die Arbeit zu machen.

Soll also heißen, dass meine hochbegabte Wohnung verdreckt, nicht aus Faulheit, sondern aus "viel zu viel nachdenken über die Arbeiten, anstatt die Arbeiten einfach zu machen". Unglaublich! Immer dieses nervige Nachdenken!

Und deswegen das neue Schild.

Freitag, 16. Juni 2017

Grillsex

Echt! Wenn man nach links aufklappt, bekommt man "Männerrezepte", "Frauenrezepte" sind rechts.

Ich gehe einkaufen und sehe auf einem Flyer bei Edeka tatsächlich eine Unterscheidung zwischen "Männergrillen" und "Frauengrillen" - ist es mal wieder so weit?

Okay, seit Tausenden von Jahren versuchen wir, unsere Waren an den Mann zu bringen, wir errichten ganze Arbeitskreise zur Psychologie des Einkaufens, nicht wahr, Schantall-Regal direkt an der Kasse? Wir versuchen, den Kunden direkt anzusprechen. Jeden. Auch die in den Nischen. Und das ist auch nicht neu - ich hatte hier einmal über Männer-Marzipan geschrieben. Das ist über ein Jahr her, inzwischen gibt es M/F-Chips, M/F-Schokolade; ich hatte insgeheim gehofft, dass das nur eine schwachsinnige Werbeidee war, aber es hält sich tapfer in den Regalen. Warum muss man bestimmte Lebensmittel Geschlechtern zuordnen? "Typisch Mann" soll wohl dahinter stecken, wir befinden uns auf dem Rückweg in die Heteronormativität.

Woher weiß man denn, was "Frauengrillen" ist? Gehen wir einfach nach Klischees, Frauen essen lieber weiße Schokolade, Männer eher dunkle, Frauen mögen Chips mit Balsamico-Aroma, die Männer-Chips schmecken natürlich nach Barbecue. Und die Grillrezepte? Für die Frauen am besten vegetarisch, und schön leicht, damit sie nicht fett werden? Und unsere Muskelmänner, die brauchen natürlich Fleisch, uga uga. Buba: Uwah!

Ich finde das irgendwie schwachsinnig - wenn, dann bitte richtig. Dann sollten wir gleich Männer- und Frauensupermärkte einrichten. Bei den Männern gibt es Werkzeug, bei den Frauen Beauty-Equipment.

Warum gehen wir mit dergestalt riesigen Schritten emanzipatorisch rückwärts? Haben wir da eine Nahrungsmittellobby, die lieber auf konservative Genderkonzepte baut? Mal ehrlich, es ist nicht allzuviele Jahre her, da haben alle nach Gleichberechtigung und Emanzipation geschrien. Und nun müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass Frauen anders sind als Männer?

Ich finde das genauso schwachsinnig wie diese ganze Diskussion um sexuelle Orientierung, dieses krampfhafte Schubladendenken. Ich glaube, wir werden uns erst dann vernünftig emanzipiert haben, wenn Sex und Gender einfach mal egal ist. Sekundär.

Ich hoffe, Er liest das.

post scriptum: Gebt mir Euren Senf dazu! Mich interessiert, wie Ihr über die Gender-Produkte denkt, klatscht das alles bei Facebook in die Kommentare!

paulo post scriptum: Ich muss hier raus. Morgen geht es Richtung Hansa-Park, ich möchte endlich mit der Kärnan-Analyse anfangen.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Apartment für zwei

Zwei. Was möchte mein Gehirn mir damit sagen...?

Im Lauf meines Lebens habe ich nach und nach herausgefunden, dass ich eine Wohnung brauche, die genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Seit ein paar Jahren wohne ich in einer Ein-Zimmer-Wohnung, fast wie ein kleines Loft, und ich spüre, dass es die richtige Wohnung ist. Deswegen habe ich auch angefangen, längerfristige Veränderungen vorzunehmen, denn das hier wird *meine* Weltraumbasis.

Nun denke ich also über den Wohnungsfortschritt nach und mir fällt ein interessantes Detail auf. Das mag nun mal eine Singlewohnung sein, ich brauche meine Freiheiten und fühle mich wohl - aber hinsichtlich des Equipments scheine ich mich auf Zuwachs einzustellen. So habe ich nicht eine, sondern zwei Shutterbrillen für 3D-Filme. Und ich habe nicht ein Gamepad für die PS4, sondern mittlerweile zwei. Und als es an der Zeit war, sich ein neues Bett zuzulegen, habe ich eins genommen, in dem zwei Männer Platz haben.

Ob sich da andeutet, dass ich vielleicht irgendwann doch werde jemanden "dauerhaft" an meiner Seite haben wollen? Und natürlich schwirrt Er mir im Kopf herum, denn Er war der zweite Mann im neuen Bett, und Er hat mit mir zusammen 3D-Filme geschaut.

Ich schaue mal, ob sich dieser Trend bei Neuanschaffungen fortsetzt - immerhin, sollte ich mir irgendwann ein eigenes Auto leisten können, darf es gern ein Zweisitzer sein.

Sonntag, 11. Juni 2017

Männer, Muskeln & mutual fun

Nicht ganz so einfach vorstellbar, dass es sich hier um zwei heterosexuelle Männer handeln könnte - oder?

Sticky topic. Aber das macht es spannend, und vielleicht erfährt der eine oder andere Leser hier etwas, das er vorher noch nicht wusste, gell, Buba? V-HORHER NIEHCHT! Und bei diesem Thema gehen die Geschmäcker so herrlich weit auseinander - und aus schwarz-weiß vorher kann ein Kontinuum danach werden.

Dass ich mich in diesem Beitrag auf Männer konzentriere, soll nicht heißen, dass Frauen diese gedanklichen Spielarten nicht kennten, im Gegenteil. Aber bei Männern ist es ganz witzig, was sie manchmal für ein Aufhebens darum machen, während Frauen mir aufgeschlossener erscheinen.

Der Titel deutet an, dass es etwas mit Körperkult zu tun hat. Und dass Muskeln mit Männlichkeit in Verbindung gebracht werden, ist nichts Neues - nur die Art und Weise, damit umzugehen, wandelt sich über die Jahrhunderte hin und her. Nun zeigen manche Männer mehr oder weniger stark ausgeprägte selbstverliebte Neigungen - während die einen im Studio vor den großen Spiegeln ihre Muskeln betrachten, um auf Form, Masse und Defi zu achten, sowie auf Proportionen - gerade wenn es um Wettkämpfe geht - schauen die anderen sich einen Moment länger an, und ein klein wenig anders, intensiver, diese eine Sekunde zu lang, denn sie genießen es, sich ihre Erfolge anzuschauen.

Manche Männer machen das mehr, manche weniger auffällig. Diese Neigung hat im Übrigen mit sexueller Orientierung rein gar nichts zu tun, aber dazu später mehr. Es gibt ja die unterschiedlichsten Motivationen, mit dem Krafttraining zu beginnen - eine gesündere Körperhaltung (das war auch bei mir damals im Studium der Auslöser), die Körperbeherrschung zu steigern (kommt bei terminal illness häufiger mal vor) - oder einfach mal die reine Optik. In diesem Fall spricht man von den Disco-Pumpern; sie trainieren sich einen Körper an, mit dem sie in der Disco rumprotzen können. Auf das Trainingsverhalten heruntergebrochen heißt das: Fokus auf Oberkörper, genauer auf oberem Rücken, Brust, Arme. Warum? Naja, wenn sie ihre Jeans in der Disco tragen, sieht eh' keiner ihre Beine, also können sie den Leg Day gerne mal skippen, viel wichtiger ist, dass das knallenge Shirt möglichst fast platzt, an drei Stellen: Brust, Ärmel, oberer Rücken.

Ich möchte diese Trainingsvariante hier nicht bewerten - im Gegenteil, mir geht es in diesem Beitrag ja auch in erster Linie um den oberflächlichen Genuss; ich habe die Erfahrung gemacht, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Trainingsverhalten und Neigung zum muscle worship, denn genau darum geht es in diesem Artikel. Und für die Veranschaulichung denke ich mir Dennis und Tom aus - fiktiv, aber durchaus realistisch.

Tom ist ein ziemlich gewöhnlicher, heterosexueller Mann. Wie viele andere Exemplare seiner Spezies ist er sehr auf sein Äußeres bedacht, und dazu gehört auch, dass er regelmäßig in's Fitnessstudio geht, um seine Muskeln zu stählen. Er trainiert längst fast nur noch im Freihantelbereich: Die Maschinen sind was für Normalos, Freihanteln verlangen viel mehr Körperbeherrschung; dass dieser Bereich rundum mit riesigen Spiegeln umgeben ist, kommt ihm dabei sehr gelegen. Wenn ihn jemand darauf anspricht: "Ja, damit ich auf die Körperhaltung und die saubere Ausführung der Übungen achten kann." Was sicherlich nicht gelogen ist, aber...

...er liebt es, sich seinen Körper im Spiegel anzuschauen. Zu schauen, wie sein Training sichtbare Erfolge zeitigt, wie er seine Muskeln kontrollieren kann, wie er seine Pecs zucken lassen kann, wie sein schon im Ruhezustand ordentlich sichtbarer Bizeps nach der Trainingseinheit richtig aufgepumpt aussieht, die Arme glühen, die Adern treten deutlich hervor, er kann die Arme nicht einmal mehr komplett anwinkeln, so sehr sind seine Oberarme aufgepumpt. Er liebt dieses Gefühl - keine einzige Wiederholung mehr zu schaffen, bis zum Äußersten gegangen zu sein, no pain, no gain, lautet seine Devise. Und bevor er danach in die Duschen geht, gönnt er sich noch eine kleine Extrarunde Flexing vor den Spiegeln - oder zwei... und auch noch einmal aus einer anderen Perspektive. Und er hofft, dass in diesem Moment viele andere Männer zuschauen und neidisch werden, wenn sie ihre Spargelärmchen mit seinen Guns vergleichen - got your tickets for...? ist ein Spruch, der ihm immer auf der Zunge liegt. Damn, war das ein geiles Training heute, und völlig kaputt, aber zufrieden, verlässt er den Tempel des Körperkults - und die Vorfreude auf zuhause steigt, denn dort wartet seine Freundin, und er liebt es, sie mit seinen granitharten Muskeln zu beeindrucken - wobei es ihn manchmal etwas irritiert, wenn sie sagt, dass er aber nicht zu sehr übertreiben solle. Denn zuviel findet sie nicht gut. Das ist immer wieder ein komischer Kommentar, denn er kanzelt ihn ab. Der selbstverliebte, muskelgeile Egomanie-Höhenflug bekommt einen Dämpfer, aus dem Gott des Fitnessstudios wird wieder der ganz normale Tom, "eben auch nur ein Mann".

Und genau in solchen Phasen ist Tom froh, dass er mit Dennis befreundet ist. Dennis ist schwul, und in einer schier unendlichen Tradition homosexueller Vorlieben mag er Männer mit Muskeln. Seine Logik: "Wenn ich eine Prinzessin haben wollte, hätte ich ne Hete werden können" - yeah, whatever. Dennis und Tom kennen sich seit ein paar Jahren, eigentlich immer eher flüchtig, aber irgendwann ist Dennis aufgefallen, dass Tom trainiert, und er hat das Thema angesprochen. Komplimente gemacht, wow, du hast ja ziemliche Fortschritte gemacht! Und natürlich hat Tom sich das gern sagen lassen. Das war genau das Feedback, das er haben wollte. Und Dennis ist ins Detail gegangen - hat ihm geschrieben, bei welchen Muskelgruppen es ihm besonders aufgefallen ist, und hat ihn nach Körpermaßen gefragt, hat sich richtig interessiert. Auf eine ganz andere Art als Tom's Freundin, noch etwas - authentischer? intensiver? Tom gelangte an einen Punkt, an dem er es mit Worten nicht mehr akkurat ausdrücken konnte. Er genoss die Aufmerksamkeit, die Dennis ihm entgegenbrachte, das war genau die Art von Aufmerksamkeit, die er sich beim Training im Studio von anderen Menschen wünschte. Alle Blicke nur auf ihn gerichtet, und er konnte endlich einmal hemmungslos herumprotzen, ohne sich blöde Kommentare anhören zu müssen - "pass aber auf, dass das nicht zu viel wird" oder "meinst du nicht, dass du es mit der Selbstverliebtheit ein bisschen übertreibst?" - von Dennis kamen nie blöde Kommentare, und das war ein tolles Gefühl.

Und Dennis? Für ihn war es auch ein tolles Gefühl - denn er hatte schon oft heterosexuellen Fitnessschnitten Komplimente gemacht, aber bisher war keiner so begeistert davon wie Tom. Manchmal waren sie irgendwann genervt, fühlten sich angeschwuchtelt, ne, lass' ma' lieber, ich hör' das dann doch lieber von ner gutaussehenden Frau. Das hatte Dennis schon so oft erlebt, und deswegen schrieb er Tom auch, dass sich das für ihn irgendwie neu anfühlte. Und das erwiderte Tom: Ein neues Gefühl. Und das hatte nichts mit Sex oder Orientierung zu tun, denn Tom fühlte sich davon in keiner Form erregt. Klar, Dennis genoss diese Momente insgeheim, und Tom tauchte immer wieder in sexuellen Fantasien auf. Aber er würde nie auf die Idee gekommen sein, Tom irgendeine Form von Sex vorzuschlagen. Stattdessen fragte er Tom, ob sie nicht einmal Fotos machen wollten.

Fotos? Das war eigentlich gar nicht so schlecht, dachte Tom sich, so könnte er selbst mal sehen, wie seine Muskeln aussehen, wenn sie richtig in Szene gesetzt werden. Und da ist doch nichts dabei, oder? Und so verabredeten sie sich einmal, bei Dennis, und er hatte verschiedene Shirts rausgelegt, um mal zu sehen, wie die wohl an Tom's wesentlich muskulöserer Statur aussehen würden. Und Tom war an dem Tag extra noch vormittags zum Training gegangen, das war sein eigener Vorschlag gewesen, damit es sich dann auch richtig lohnt. Und doch... ein kleines bisschen schüchtern, verklemmt, unsicher waren sie dann doch, und verbrachten die erste Zeit damit, sich über Alltägliches zu unterhalten - wobei Dennis sich nicht helfen konnte, dabei immer wieder auf Tom's Oberarme zu starren, und das blieb auch Tom irgendwann nicht mehr verborgen. Die beiden halfen schließlich ein wenig dabei nach, sich zu enthemmen, und nahmen sich dann für ihre Fotosession reichlich Zeit.

Tom zeigte in allen möglichen Posen, was er hat, während Dennis mit Beleuchtung und Kameraperspektive herumprobierte, um ästhetische Bilder hinzubekommen. Es war ein schönes Gefühl, diese Muskeln endlich einmal aus der Nähe zu betrachten, und er ließ Tom spüren, wieviel Spaß er hatte - nicht zuletzt durch ausgiebige Komplimente, die Tom immer übermütiger werden ließen. Schließlich hatten sie eine ganze Reihe Bilder aufgenommen und auf dem Computer betrachtet, wobei Dennis schließlich meinte "So ein Körper muss sich bestimmt toll anfühlen"; Tom strahlte ihn an und fragte, ob er denn einmal anfassen möchte. Dennis' Herz machte einen Satz Richtung Knie, aber der Nachmittag war schon so gut verlaufen, was sollte jetzt noch schiefgehen? Und so zeigte Tom nochmal ihm persönlich seine Muskeln und ließ ihn anfassen.

Das war einst. Mittlerweile sind die beiden Männer etwas weiter. Tom ist immer noch heterosexuell, hat inzwischen eine neue Freundin. Allerdings laufen solche Treffen wie eben beschrieben mittlerweile anders ab. Sie verabreden sich ganz bewusst zum muscle worship, oft sagen sie einfach nur, sie wollen sich einen "netten Abend" machen. Tom weiß, dass er dann am Nachmittag zum Training geht, und Dennis weiß, was ihn dann abends erwartet. Mittlerweile stellen sie sich dabei vor den großen Wohnzimmerspiegel, damit Tom sich beim Flexing anschauen kann. Dennis steht manchmal hinter ihm, streichelt seinen Bizeps, legt von hinten seine Hände auf Tom's Pecs, während der sie anspannt und springen lässt. Dabei schaut er ihm über die Schulter, ebenfalls in den Spiegel - oder aber er steht vor ihm und schaut sich nicht die Reflektion, sondern Toms Körper direkt an, immer darauf bedacht, nicht im Weg zu stehen. Sie reden dabei weniger als noch in der Anfangsphase - sie sind nun sehr konzentriert, manchmal hat Dennis auch seine Augen geschlossen und genießt das Gefühl harter Muskeln unter seinen Händen. Das hat mit Kuscheln nicht mehr viel zu tun, denn Tom's Körper fühlt sich an wie aus Granit. Dennis schafft es nicht immer, seine Erregung für sich zu behalten, und immer wieder kommen diese kleinen Momente, in denen sie die Fassung verlieren - in der Dennis zudrückt, so hart er kann, in denen Tom vor Anstrengung beim Gegenandrücken keucht. Die Zeit verliert für die beiden jegliche Bedeutung und sie genießen es, alle gesellschaftlichen Konventionen für eine Weile abzustreifen.

Diese Neigung zum muscle worship beruht auf Gegenseitigkeit, ohne dass Tom deswegen in jeglicher Hinsicht als schwul/bi betrachtet werden könnte. Es ist einfach so, dass seine Freundin ihn auf eine andere Art bewundert, das ist auch schön, aber manchmal braucht er diese ungestörten Phasen, in denen er Mann sein kann und dafür bewundert wird - so hat er es Dennis erklärt. Und so haben sie noch heute diesen gemeinsamen Spaß, den sie sich von niemandem nehmen lassen.

Genug von den Beiden; die wesentlichen Punkte, die man als Erfahrung aus diesem Artikel mitnehmen kann: Muscle worship ist ein Fetisch (dazu ein anderes Mal mehr), der auf kein Geschlecht und keine sexuelle Ausrichtung beschränkt ist und der wesentlich mehr als nur zwei unterschiedliche Motivationen kennt. So bieten zum Beispiel professionelle Bodybuilder (Männer und Frauen) bezahlte Worship-Sessions an, um ihren Unterhalt aufzubessern und ihre supplements zu finanzieren. Manchmal nehmen gerade junge Männer mit Kumpels solche Videos auf und verkaufen sie über das Internet - mittlerweile findet man diese Videos überall. Außerdem ist diese Neigung nicht auf irgendeine Altersgruppe beschränkt.

Wie schon eingangs beschrieben, gehen die Meinungen dazu weit auseinander: Es gibt sehr viele Menschen, die mit einem zu muskulösen Partner nichts anfangen können, sei es, dass es ihrer ästhetischen Wahrnehmung entgegen spricht oder dass sie einfach keinen unbequemen Schrank im Bett neben sich haben wollen.

Und manchmal ist der Gegenwind des sozialen Umfeldes so stark, dass man diese Vorliebe besser für sich behält und hinter verschlossenen Türen genießt, ohne darüber zu sprechen.

post scriptum: Für alle, die so etwas einmal in Bewegung sehen möchten. Ich bin gespannt, wie sich dieses Thema auf die Klickzahlen auswirkt - besonders abschreckend oder Neugier weckend? ;-)

 

Samstag, 10. Juni 2017

Er und ich und die Musik

Dieses Foto versinnbildlicht unsere Gedankenreisen ganz gut

Ich höre gern Musik - so weit ich zurückdenken kann. Die Musikstile haben immer wieder gewechselt, je nachdem, was damals gerade für mich neu war. Rave, Deutschpop, Metal in all' seinen Ausprägungen, Psytrance, Psybient, Downtempo. Es ist immer wieder schön, eine neue Musikrichtung kennenzulernen - auf Expeditionen in neue Klangschaften zu gehen.

Früher gingen diese neuen Entdeckungen immer einher mit der Überzeugung, dass jetzt, wo ich eine neue Musikrichtung entdeckt hatte, natürlich auch all' meine Freunde diese Musik unbedingt würden kennenlernen wollen und letztlich toll finden. Ich bin sehr gut darin, von mir auf Andere zu schließen, und oft ist es mir noch nichtmal bewusst (so denke ich auch immer noch, dass jeder Mensch The Crying of Lot 49 grandios finden dürfte).

Immerhin, ein wenig haben diese Schlussfolgerungen nachgelassen. Ich versuche nicht mehr so intensiv, anderen Menschen meine musikalischen Entdeckungen aufzuzwingen. Und wenn, dann gehe ich da ein wenig subtiler heran; wenn ich Besuch habe und im Hintergrund Musik läuft, dann ist diese in den seltensten Fällen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt - und ich spreche auch nicht weiter drüber. Es kommt dann häufiger mal zu der Frage, was wir da eigentlich gerade hören, fertig, "Ziel" erreicht. Und wenn nicht, dann macht das nichts - ich kann ja niemanden zu seinem Glück zwingen.

Das habe ich mir auch gedacht, als Er und ich damals mit unseren Gedankenreisen und Meditationen angefangen hatten (hier mehr zum Thema "Er/ich/Musik"). Ich hatte ein paar Jahre Erfahrungsvorsprung zu ihm und eine ungefähre Ahnung davon, welche Musik sich für solche Anlässe eignet und welche nicht. Da ich ihn aber nicht bevormunden wollte (yeah, whatever...), habe ich ihm da komplett freie Hand gelassen. Die ersten Male hat Er auch ordentlich herumprobiert, mit allen "Erfahrungen", die man mit ungünstiger Musik so machen kann.

Irgendwann hatte Er dann einst vergessen, seinen MP3-Player mitzubringen. Seine Kopfhörer lagen noch hier herum, und mein MP3-Player hat zwei Eingänge für Kopfhörer. Also hat Er sich dann einmal in meine fürsorglichen Hände begeben. Ich hatte mir Mühe gegeben, eine Playlist zusammenzustellen, die ihm gefallen könnte. Ich wusste, welche Musik Er gern hörte, also habe ich davon ausgehend ein paar musikalische Expeditionen zusammengebaut.

Das war ein komisches Gefühl, zu wissen, dass Er neben mir gerade die gleiche Musik hörte wie ich - quasi, als hätten wir die gleiche, gemeinsame Gedankenreise (Alliteration!). Als würden wir zusammen unterwegs sein, mein Kopf hat natürlich gleich diverse Szenarien erdichtet und ich komme nicht umhin festzustellen, dass ich das sehr schön fand. Denn ich hatte ihn wirklich sehr, sehr gern, und das gemeinsame Erleben... es wirkte so real. Gleichzeitig hatten wir ruhigere Passagen, in denen wir uns in der Fantasiewelt umschauen konnten, gleichzeitig wurde es dann wieder schnell und knallig, als seien wir auf einer Achterbahnfahrt der Gedanken.

Nachdem wir dann wieder "zurück" waren, stellte sich heraus, dass ihm diese Gedankenreise auch sehr gefallen hatte - aus den gleichen Gründen wie bei mir. Ich weiß noch, wie wir uns grinsend von einzelnen Szenen berichtet haben, die tatsächlich ähnlich ausgefallen sind. Und der schönste Moment war für mich, als Er dann meinte, dass wir das gern wieder so machen konnten - so zusammen. Er meinte, Er vertraut mir da vollkommen, und mein Herz hat einen kleinen Sprung getan.

Von da an gab ich mir viel mehr Mühe als sonst, aufregende, abwechslungsreiche Klangwelten zu gestalten, immer wieder mit Musik, die Er bereits aus seiner Jugend kannte. Für ein bisschen Nostalgie, für noch mehr Wohlfühlen, ich wollte, dass Er gern bei mir war und dass Er gern zusammen mit mir auf die Reise ging.

An eine Playlist und die damit zusammenhängende Reise kann ich mich noch sehr gut erinnern. Er auch - leider nicht nur aus positiven Gründen.

Ich wollte das Ganze diesmal noch immersiver machen. Ich wollte, dass Er sich einmal richtig fallen lassen kann. Ich wollte dem Bild in seinem Kopf gerecht werden, von meiner Wohnung als unserer "Weltraumbasis", oder als "Bubble", in der wir alles Andere einfach mal draußen lassen können. Und ich wollte ihm zeigen, dass da auf meiner Seite Menschen sind, die sich für uns freuen - weil Er auf seiner Seite leider auf sehr viel negatives Echo uns gegenüber gestoßen ist. Ich wollte, dass Er sich nicht für das rechtfertigen oder gar schämen muss. Es reichte schon, dass Er irgendwann niemandem mehr davon erzählen konnte. Also schmiedete ich einen Plan, um ihm ein wenig Selbstvertrauen zurückzugeben...

Ich wollte eine richtige Inszenierung starten. Wir hatten uns bereits einen Tag ausgesucht, an dem Er mich besuchen kommt - diesmal schickte ich ihm eine "offizielle" Einladung. Ganz im Stil der Weltraumbasis aufgemacht, um die Vorfreude zu steigern, und kündigte ihm ein ganz spezielles Erlebnis an. 
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Ihre Buchung vom 15.12.2014


Sehr geehrter Herr xxx,

wir bedanken uns für Ihr Vertrauen und freuen uns, Sie als Gast von Fantasy Airlines begrüßen zu dürfen. Wir übersenden Ihnen hiermit Ihr Flugticket in die Region des Unfassbaren. Die Details Ihres Fluges entnehmen Sie bitte den untenstehenden Daten. Bitte bedenken Sie, dass das Mitführen von Handys an Bord der Maschine nicht gestattet ist. Für die Dauer des Fluges wird jeglicher Kontakt zur Realität unterbrochen sein; setzen Sie bitte Ihre Mitmenschen in Kenntnis, dass Sie in diesem Zeitraum nicht erreichbar sind.


Mit freundlichen Grüßen
Fantasy Airlines - Ihr Partner für das Übersinnliche
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Diesmal sollte es eine ganz besondere Playlist werden für unseren Flug - und natürlich gehörten zu einem Flug auch Flugdurchsagen. Ich wollte, dass zwischendurch, über die Musik gelegt, Menschen, die uns kannten, schöne Grüße durchgeben, uns viel Spaß wünschen, ihm das Gefühl geben, dass es etwas Schönes ist, was wir machen. Dafür brauchte ich ein paar Verbündete; man merkt, ich hatte das lange vorher geplant.

Also sprach/schrieb ich ein paar Menschen, ich erzählte ihnen von der Idee und fragte, ob sie bereit wären, eine Flugdurchsage aufzunehmen und mir als Datei zu schicken. Ich fragte meine Eltern, die große Buba, die Sannitanic und YazzTazz und ich hatte von fast allen im Handumdrehen die MP3-Dateien. Aber das reichte nicht, das sind alles Menschen, mit denen ich mich identifizieren kann. Wenn ich aber eine Playlist speziell für ihn basteln möchte, sollte ich auch Menschen aus seinem Bekanntenkreis mit einbeziehen. Ich war mir unsicher - ich kannte diese Menschen ja kaum - aber schrieb dann seinen Mitbewohner an. Ich erklärte ihm, worum es ging. Das war mir sehr wichtig, denn damals waren Er und sein Roomie beste Freunde, dachte Er. 

Damals hatten wir noch anders gedacht; so dachte ich, dass ich ein Freund in seinem Freundeskreis sei, so wie die Anderen auch. Deswegen hatte ich mir dabei nichts Böses gedacht und war überzeugt, dass Er sich freuen würde, wenn auch eine Durchsage von seinem Mitbewohner käme. Der allerdings hat zuerstmal gar nicht geantwortet. Naja, 'nen Versuch war es wert, dachte ich mir. Und ich konnte nicht zu auffällig nachfragen, denn Er ahnte von alledem ja nichts, es sollte eine Überraschung sein.

Ich organisierte mir ein Musikbearbeitungsprogramm und schneiderte Musik und Durchsagen zusammen, innerlich aufgeregt, wow, wie würde Er wohl reagieren, wenn wir an die spannenden Passagen kommen? 

Und dann war es so weit, Er stand vor meiner Tür, nicht ahnend, dass ihm bekannte Stimmen um den Kopf schwirren sollten, und ich begrüßte ihn, breit grinsend, vorfreudig auf seine Reaktionen. Wir gingen in die Meditation/Gedankenreise wie üblich, erstmal den Körper runterfahren, langsame Atmung und alles, was dazugehört. Und etwa zwanzig Minuten in der Playlist kam dann die erste Flugdurchsage. Wir lagen nebeneinander auf dem Bett, Augen geschlossen, Kopfhörer aufgesetzt, vollkommen unbeweglich. Konzentration ist wichtig für die Gedankenreisen. Doch nachdem die erste Durchsage verklungen war und wir wieder im nächsten Musikstück angekommen waren, berührten sich unsere Arme, als eine Art Zeichen: Er hat sich wirklich darüber gefreut und wollte es mir auf diese Weise kundtun. Und unsere Gedankenreise ging weiter...

Ich gehe hier nicht weiter ins Detail, das hat hier nichts zu suchen, es war jedenfalls eine tolle Nacht, weil alles sich nach meiner Regie entwickelt hat. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das ein ganz besonderer Abend war. An jenem Abend habe ich herausgefunden, dass Er seinen Freunden zwar von mir erzählt hat, dass sie aber ziemlich misstrauisch waren und nicht wussten, was sie von mir halten sollten. Deswegen hatte sein Mitbewohner mir auch nicht geantwortet. Sie alle fanden Dr Hilarius ziemlich komisch. Damit konnte Er nicht gut umgehen, und in jener Nacht nahm Er sich vor, mit seinen Freunden nicht mehr über mich zu reden.

Das macht er auch heute noch so. Ich bin ein kritisches Thema und Er hat leider nicht das Rückgrat, sich dazu zu bekennen. Aber vielleicht wird Er erwachsener und eines Tages werden wir beide wieder zu einer ganz besonderen Playlist auf die Gedankenreise gehen.