Mittwoch, 28. Dezember 2016

Wer ist Bruce Willis?


Ich liebe es, mir Filme anzuschauen. Mich von ihnen verführen, verzaubern zu lassen und Denkstoff daraus mitzunehmen. Gestern habe ich mal wieder M.Night Shyamalans Unbreakable angeschaut. Über die Qualität (bzw. generell den Stil des Regisseurs) möchte ich hier kein Wort verlieren. Vielmehr geht es mir darum, dass ich den Film gestern zum ersten Mal auf Englisch gesehen habe und mir eine Sache sehr deutlich geworden ist: Die Synchronisation kann einem Film oder einzelnen Charakteren ganz neue Seiten geben, leider nicht immer zum Vorteil.

Es geht also um Bruce Willis, den ich als Schauspieler schätze, sehr sympathisch, kann mich immer wieder begeistern. Ich kenne ihn hauptsächlich aus den Die Hard filmen (Stirb Langsam) und habe ihn als absoluten Macho kennengelernt - tiefe, männliche Stimme, trainierter Körper, meistens nur in Muskelshirts unterwegs und immer mit Blessuren am Körper und Waffen in der Hand. Das bietet Unterhaltungpotential! Allein seine Stimme hat suggeriert, dass es sich hierbei um den absoluten Oberboss handelt, dem kein anderer Mann das Wasser reichen kann.

Ich habe mich immer wieder gewundert, wenn Roger Ebert (R.I.P.) in seinen Filmrezensionen auf die Rolle Willis' als Charakterdarsteller für den 0815-Mann hingewiesen hat. Ein everyday man, who could be you or I, sozusagen. Bitte was? Völliger Unsinn!

Und genau in dieser Hinsicht war es gestern eine Offenbarung, als ich dann mal direkt miterlebt habe, dass Bruce Willis gar nicht so eine tiefe Stimme hat, nicht diesen Macho-Ton. Ganz im Gegenteil, seine Stimme ist völlig unspektakulär - das könnte tatsächlich irgendjemand sein, Du oder ich. Und dieser Umstand gibt den Willis-Filmen eine neue Nuance, nämlich, dass sie von einem Durchschnittsbürger handeln, der in eine außergewöhnliche Situation versetzt wird und sich bewähren muss. Und das reizt mich noch etwas mehr als seine deutsche Synchronstimme a la "Macht mal Platz, jetzt kommt das Alphatier!"

Nur mal so festgestellt.

Montag, 26. Dezember 2016

Staubwischen: Silke wird flachgelegt


Vor dem genüsslichen Rezipieren dieses Artikels möchte ich darauf hinweisen, dass es auch Schulleiterinnen gibt, die Silke heißen. Das hat aber hiermit nichts zu tun, das ist reiner Zufall. Und das wiederum ist keine Ironie. Also wollen wir doch mal schauen, was ich mit Silke so angestellt habe.

Irgendwann wacht man in seiner eigenen Wohnung auf, fühlt sich müde, nüchtern und rational und angeekelt von dem ganzen Dreck, den man auf einmal sieht: Wäscheberge hier, da und dort. Geschirrplantagen auf, unter und neben den Möbeln. Müllfeuchtbiotope vor, hinter und in den Schubladen. Die Wohnung steht kurz davor, ein gefährliches Eigenleben zu entwickeln. Reicht schon, wenn es im Badreich soweit ist. Das muss nicht auch noch in den Wohngefilden passieren. Also schreitet man irgendwann zur Tat und überlegt verzweifelt, wo man nur anfangen soll.

Und ich nehme mir den ganzen Staub vor: Man sollte nicht glauben, wie viel davon der Couchtisch schon wieder eingefangen hat, angesichts des multisexuellen tête-à-têtes auf der Glasplatte. Überhaupt wird mir IKEAs MARIT langsam etwas langweilig. Sie ist faltig. Sie ist befleckt. Ich hätte gern eine saubere, junge Dame auf meinem Couchtisch. Zum Glück hat mir die wurfreife Abrissbirne (sie möge mich ob dieser Titulierung verschonen, aber der Spaß muss sein, bevor der Ernst des Familienlebens beginnt) ein Weihnachtsgeschenk gemacht, über das ich mich riesig freue: Silke.

Silke ist der auf dem Foto abgebildete Tischläufer. Bislang lag dort MARIT herum, die jetzt aber in den Schrank gewandert ist. Sie war praktisch, um einfach *irgendeinen* Tischläufer zu haben. Jetzt aber wurde es Zeit für ein wenig Design und die Rocky-Baby-Mountains hatten etwas Stoff übrig - schwarz-grau, mit geometrischem Muster und leicht glänzend, wie perfekt für diesen Doktor, der es düster und symmetrisch mag. Und weil es mich vom Glanz her ein bisschen an Seide erinnert, ist der Name Silke aufgetaucht - abgesehen davon, dass es neben Telse einer meiner Standardnamen für alles Mögliche ist; es ist schon erstaunlich, dass der Kühlschrank Xena getauft wurde. Was soll's, es gibt auch Menschen, die ihre Migräne Medusa nennen, und ich kann das vollkommen nachvollziehen.

Also habe ich heute endlich den Tisch vom Unrat befreit, den Staub heruntergewischt und Silke schön flachgelegt, die Yin & Yang-Untersetzer darauf drapiert und den Zen-Garten dazu, wobei mir aufgefallen ist, dass das Grau des Gartens sich wunderbar mit Silkes Farbgebung verträgt. Und sowas wirkt beruhigend auf mich - insofern darf ich stolz feststellen, dass das eines der besten Weihnachtsgeschenke seit Langem ist. Jetzt ist der Tisch viel zu edel, als dass ich darauf Klassenarbeiten korrigieren könnte - ich denke mal, ich lagere sie in der staubigen Ramschecke, da fallen sie nicht so sehr auf. Und nun eine kleine Schreibpause, vielleicht fällt mir ja in der Meditation nachher noch mehr dazu ein. Erstmal muss ich noch die Welt retten. Oh, und mein Auto wiederbekommen, das haben die Bösewichte nämlich gestohlen.  Und die ganze Lauferei kann sehr stressig sein; manchmal merkt man den Wert von Dingen - und Menschen - erst, wenn man sie nicht mehr hat.

Welch' subtile Anspielung.

(...)

"Kleine Schreibpause" ist wohl untertrieben für das, was in der Zwischenzeit abgegangen ist. Kopftechnisch. Also, das hätte ein wunderbar runder Tag sein können, Tisch aufgeräumt, Silke eingeweiht, ein paar Monster getötet und fertig.

Doch dann kam die große Buba.

Nicht in persona, sie feiert irgendwo mit Freunden und das ist auch gut so. Die Buba hat mir ein Geschenk gemacht, und es ist noch nicht einmal ein Weihnachtsgeschenk: Zum Geburtstag hatte ich es bekommen, und seither liegt es herum und wartet auf seine Präsentation. Es ist eine Bluray des Films Mad Max:Fury Road in 3D. Und ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse.

Ich hatte den Namen Mad Max schonmal irgendwo gehört, das hatte irgendwas zu tun mit einem postapokalyptischen Szenario, die Welt ist eine Wüste und Wasser ist wertvoller als Gold. So oder so ähnlich - und mit diesen Erwartungen habe ich den Film gestartet. Ich wurde sofort irritiert: Moment, die ganzen Szenen ergeben keinen Sinn. Und ein bisschen unrealistisch ist das schon, was da gezeigt wird. Und wieso überlebt der Typ einen Autounfall ohne Blessuren?

Es hat über eine halbe Stunde gebraucht, bis ich realisiert habe, dass ich mir eine Comicverfilmung anschaue. Die haben ihre eigenen Gesetze, und das ist auch vollkommen in Ordnung - nur musste mein Gehirn das erstmal begreifen. Tja, was kann ich zu dem Film sagen?

Ich habe keine Ahnung, worum es geht. Menschen fahren durch die Wüste, tagsüber und nachts. Ich weiß nicht, warum sie fahren. Und da ist so ein widerlicher Typ, der den Menschen das Wasser vorenthält. Und eine Frau mit einem halben Arm, mal mit, mal ohne Prothese. Ich habe keinen Plot gefunden - erst fahren sie in die eine Richtung, dann in die andere, und das war es dann auch. Allerdings zwei Stunden lang. Zwei spektakuläre Stunden.

Ich konnte mich erst richtig fallenlassen, nachdem mein Gehirn gerafft hat, dass es sich hierbei um einen no brainer handelt. Dass es Fun ist und nicht ernstgenommen werden soll. Und dann habe ich es genossen: Überall explodieren Dinge, stürzen ein, werden durch die Luft geschleudert. Der Surroundsound ist wunderbar passend abgemischt. Ich versuche gar nicht erst, die Handlung zu verstehen, denn ich glaube, darum geht es nicht. Halt warte, wenn es eine Comicverfilmung ist... dann gibt es da draußen wahrscheinlich sehr viele Menschen, die das Mad Max-Universum kennen und für die dieser Film deutlich mehr Sinn gemacht hat als für mich. Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn man "nicht dazugehört".

Aber es hat wirklich Spaß gemacht. Ich staune, was man mit moderner Technik alles machen kann. Der Film stützt sich hauptsächlich auf CGI (computer-generated imagery) und ich frage mich, wann Schauspieler komplett ersetzt werden. Der Mensch macht sich selbst überflüssig, beliebter Topos in dystopischen Szenarien. Der Film ist laut - so sehr, dass meine Nachbarn vermutlich froh waren, als es vorbei war und endlich wieder die leichten (und mir immer mehr ans Herz wachsenden) Oxycanta-Klänge zu hören waren.

Es gibt Situationen, in denen ich für Budenzauber sehr empfänglich bin. Grelle Farben, schrille Töne, ich tauche ein und vergesse die Welt um mich herum. Genau das habe ich heute genossen, und das alles hat den zweiten Feiertag für mich zu einem wunderbaren Erlebnis werden lassen. Und es zeigt, wie wichtig mir meine beiden besten Freundinnen sind: Die Rocky-Baby-Mountains haben mir den Tischläufer genäht, und ich finde den unglaublich toll, und die verrückte Buba hat mir mit diesem Knallerfilm ein Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Danke, Ihr Beiden! Ich hab' Euch lieb!

Sonntag, 25. Dezember 2016

"Wie hältst du es mit der Religion?"


So fragt Gretchen Faust und konfrontiert ihn dadurch mit einem Gewissenskonflikt. Und wie hält Dr Hilarius es denn?

Gar nicht.

Wie schon beschrieben lege ich keinen Wert auf Weihnachten - außer als Anlass, um die Familie mal wiederzusehen. Ich gehe nicht in die Kirche. Ich glaube nicht an Gott. Meine Religionszugehörigkeit ist für mich nicht mehr als ein Ärgernis, wenn ich sehe, dass ich sechzig Euro Kirchensteuer monatlich zahle. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich immer wieder daran denke, aus der Kirche auszutreten - allerdings vergesse ich es dann und denke erst wieder daran, wenn die nächste Abrechnung kommt.

Gibt es denn gar nichts, woran ich im Leben glaube? Keine Denkweise, der ich mich anschließe?

Ich habe mein Verhalten und meine Denkmuster immer mal wieder beobachtet und bin zum Schluss gekommen, dass meine Grundhaltung am ehesten dem Buddhismus entspricht. Dass ich zum Beispiel sinnlose Auseinandersetzungen meide. Dass ich an das Nirvana glaube - ha, da hätten wir also einen Glauben. Und ich denke an Buddhas Ausspruch "Lächle und die Welt verändert sich". Ich mag Meditationen als Weg, innere Ruhe zu finden. Und ich vertraue auf das, was in meinem eigenen Vermögen liegt, anstatt auf einen Gott zu hoffen, der die Dinge richten wird.

Irgendwann in diesem Leben habe ich angefangen, Dinge zu hinterfragen, und mich dann auch gefragt, warum ich überhaupt konfirmiert bin, und wer überhaupt festgelegt hat, welches meine Religionszugehörigkeit ist. Ausbrechen aus tradierten Werten, die eigenen Werte finden, neue, für einen selbst ungewohnte Wege gehen. Das befreit mich. Und mit den sechzig Euro, die ich nun nicht mehr als Kirchensteuer abführen muss, kann ich mir endlich neue Schuhe kaufen, um diese Wege zu gehen.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Wintersonnenwende

Damals, in den Kronshagener Bergen...

Heute mal ganz kurz und sachlich. Die verrückte Buba meinte gestern zu mir, sie habe nun alle Weihnachtsgeschenke beisammen. Stimmt, wir haben ja bald Weihnachten! Und da gibt es auch sowas wie Geschenke und so. Ich merke jedes Jahr deutlicher, wie irrelevant dieses Fest für mich ist. Es geht vollkommen an mir vorbei. Den Glauben, der dahinter steht, den habe ich eh' nicht. Und da können auch noch so viele Weihnachtsmärkte sein (inklusive Laster und CSU-Stammtischparolen), und alle meine Schüler machen Julklapp in ihren Klassen, ich bekomme das überhaupt nicht mit.

Ich habe gestern und heute mal darüber nachgedacht: Viel präsenter in meinem Bewusstsein ist das solstitium, die heutige Wintersonnenwende. Ungelogen, Heiligabend tangiert mich nicht, aber diese astronomische Konstellation schon, aus verschiedenen Gründen. Der Hauptgrund dürfte sein, dass die Tage endlich wieder länger werden. Ich bin ein Sonnen-Junkie, ich bin absolut abhängig von hellem Sonnenlicht. Ich brauche das, damit ich fröhlich und hochenergetisch bin, so wie die Leute mich kennen und von mir genervt werden.

Genau aus diesem Grund, der Reise zu mehr Sonnenlicht, feiere ich für mich eher den heutigen Tag als das, was sich am Wochenende anbahnt. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass ich diesen kleinen Fünftklässlern ihre Illusionen nehme, wenn ich so sachlich mit ihnen darüber spreche, aber zum Glück hat das diesmal recht gut geklappt.

Die Tage werden wieder länger und ich kann bald endlich wieder reichlich Sonne in mein Herz lassen. Prosit!

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Mann mit Hut und Schafkotze


So, ich glaube, das wird wieder einer dieser Nonsens-Beiträge, ich schreibe einfach mal drauflos. Für mich war heute der letzte Schultag, weil ich donnerstags frei habe. Und was macht man in der letzten Englischstunde vor den Ferien? Genau! Klassenarbeiten!

Eigentlich habe ich mich in den letzten Stunden immer auf Filme verlegt, die natürlich auf Englisch angeschaut werden. Aber dieses erste Halbjahr ist so unglaublich kurz, dass ich händeringend nach Bewertungsgrundlagen für meine Schüler suche. Daher der Test. Es waren jeweils Doppelstunden, aber wir wissen natürlich, dass gemäß Schulrecht ein schriftlicher Leistungsnachweis in Klasse fünf, sechs oder sieben eine Bearbeitungszeit zwischen einundzwanzig und fünfundvierzig Minuten haben sollte.

Daraus ergibt sich, dass wir in allen Lerngruppen nach der Arbeit noch etwa zwanzig Minuten übrig hatten. Diese Zeit habe ich für ein Feedback genutzt; jeder Schüler bekommt zwei kleine Zettel. Auf einen schreibt man auf, was man an Dr Hilarius' Unterricht gut fand. Auf dem anderen notiert man, was nicht so gut war, verbunden mit einem Wunsch für den weiteren Unterricht. In der Folgestunde lese ich alle Zettel laut im Sitzkreis vor. Ich mache meine Feedback-Runden immer so, und so finden wir in der Regel einen guten Weg für unsere weitere Zusammenarbeit.

Und diese Zettel sollten die Kiddies zusammenfalten und dann in meinen Hut werfen. Ja, ich habe einen Hut, und er steht mir eigentlich. Eigentlich, denn er ist eine Nummer zu klein. Dennoch. So haben die Schüler Dr Hilarius also zum ersten Mal mit Hut gesehen, gut, das gibt dem einen oder anderen vielleicht Denkimpulse oder Erzählstoff für zuhause. So soll das sein, ich brauche Publikum (die Buba liest das gerade laut und divös vor, was bei ihrer Erkältung kein Problem sein sollte).

Nun denn, so habe ich all diese Zettelchen gesammelt und in unterschiedliche Beutel je Lerngruppe sortiert. Und ich habe mir gedacht, na mensch, warum nimmst Du Dir nicht einfach den ersten Feedback-Beutel als Impulsgeber für die Meditation vor? Und rein zufällig habe ich nach dem Beutel Släsch der Lerngruppe gegriffen, die auch für das kotzende ugly Schaf von damals verantwortlich war. Und es war toll, die ganzen Ideen und Anmerkungen zu lesen!

Damit daraus ein richtiger running gag wird, muss die Kreatur integriert werden. Also habe ich der Künstlerin den Vorschlag unterbreitet - wenn sie mit ihrer Klassenarbeit durch ist - dass sie mir ein ugly Schaf malen möge, das dann ihre Punktzahl und Note auskotzt. Und obiges Bild kam dabei herum.

Der kringelige Text lautet: "Ich hoffe, dieses ugly Schaf (sie in 10 Jahren) schützt mich vor einer 6/5/4 (also ich find ich krige eine 1) übrigens sie sind voll cool." Und solche Dinge helfen mir in Situationen, wenn ich mal wieder an mir selbst zweifle und Menschen mir einreden wollen, ich sei ein schlechter Lehrer.

Ob man sich kotzende Schafe vom Arzt gegen Depressionen verschreiben lassen kann?

post scriptum: Ein Wunsch, der selbstverständlich direkt nach den Ferien umgesetzt wird, ist der Ruf nach einem Keksdienstag! Jeden Dienstag bringt einer aus dem Kurs Kekse (oder irgendwas Gebackenes) für den Kurs mit, reihum. Das hatten wir damals sogar selbst in unserem Lateinkurs, Herr Petersen hat den Spaß mitgemacht und sein Kuchen war sooooooo lecker...

Dienstag, 20. Dezember 2016

Einladung zum Tee


Ich pfeife so langsam aus dem letzten Loch, bin ferienreif, und meine Schüler sind es augenscheinlich auch. Manche merken, dass sie vielleicht früher für die Klassenarbeiten in dieser Woche zu lernen hätten anfangen sollen (ich mag Verbreihen). Nun, vielleicht müssen sie erstmal auf die Nase fallen, um daraus zu lernen. Geht mir selbst immer wieder so, manches lernt man eben nur auf die harte Tour. Das hat schon seine Richtigkeit.

So komme ich heute aus der Schule mit dem intensiven Eindruck, Schüler unglücklich gemacht zu haben, werfe meine Sachen in die Ecke und schalte ab - halt warte, Post ist gekommen! Nanu, das schaut aus wie Weihnachtsgrüße, von wem kommen die? Ich bin in der Hinsicht selbst immer schreibfaul - Neujahr ist so willkürlich gesetzt, warum sollte man das feiern und sich dementsprechend gute Wünsche schicken? Aber ich kann ja all' die Leute verstehen, die Weihnachtspost machen. Eher bekomme ich dann ein schlechtes Gewissen, warum ich das nicht gemacht habe. Hättest dich ja auch mal bei dem Einen oder der Anderen melden können...

Whatever - ich freue mich wirklich sehr, denn die Karte kommt von Jay. Zur verlinkten Zeit hatten wir einen kleinen, fast smarten Austausch und ich meine, ein Zeichen von Anerkennung seinerseits erkannt zu haben, und für mich will das was heißen - denn Jay hat Einiges auf dem Kasten. Ich fühle mich ein wenig geehrt, wenn er sich an mich erinnert.

Ich finde es generell immer interessant, wenn sich jemand an mich erinnert. Das erstaunt mich immer wieder: Warum sollte ich den Leuten aufgefallen sein? Ich merke mir doch auch keine anderen Menschen - vielleicht sollte ich weniger von mir auf Andere schließen. Ich hab eigentlich auch immer etwas Angst davor, dass die Erinnerung an Dr Hilarius eine negative sein könnte. Minderwertigkeitskomplexe und so. Aber ganz oft ist es einfach nur die sachliche Feststellung: Der war anders als die Anderen, den vergesse ich so schnell nicht.

Zurück zu Jay: Er wünscht mir Merry Christmas and a Happy New Year - nicht ohne eine Einladung zum Tee hinzuzufügen, wenn ich mal in Kiel sein sollte. The good news is: Ich bin hoffentlich dauerhaft in Kiel. The bad news? Gibt es nicht. Ich bin total angetan, von einem meiner Lieblingsdozenten auf einen Tee eingeladen zu werden. Ich denke nämlich, dass sich daraus tatsächlich ein sehr spannendes, intelligentes und schwarzhumoriges Gespräch entspinnen könnte. Und ein kleines bisschen leuchten meine Augen bei dem Gedanken.

Trotzdem gibt es jenen Punkt mit oben erwähnten Minderwertigkeitskomplexen: Ich kann Jay nicht mal in Ansätzen das Wasser reichen. Er weiß über seine Themen definitiv besser Bescheid als ich und hat ein so umfangreiches Allgemeinwissen, dass ich Gefahr laufe, mich mit meinem, naja, Nischenwissen zu blamieren. Dieser Gedankengang scheint gar nicht so ungewöhnlich zu sein, denn manchen Menschen geht es wohl so, wenn sie mit mir reden. Einer dieser Menschen wohnt eine Straße weiter und denkt ab und an an mich. Dabei möchte ich in Gesprächen nie beweisen, was ich alles weiß. Ist ja auch völliger Unsinn.

Ich muss Jay gar nicht das Wasser reichen - es handelt sich schließlich nicht um einen Wettkampf, sondern eine anregende Unterhaltung. Und im Gegenteil: Ich werde das Wissen, das er mir anbietet, ebenso aufnehmen wie damals im Englischen Seminar der Kieler Uni.

Schöner Tagesabschluss!

post scriptum: Spannende kulinarische Erfahrung: Mandarinenspalten ein paar Minuten (oder mehr) an der Luft stehen lassen. Die dünne Haut trocknet dadurch aus. Wenn man nun hineinbeißt, fühlt es sich erstmal knackig an - ungewöhnlich - und dann ist die Mandarine genau so saftig wie immer.

Samstag, 17. Dezember 2016

Saturnalien: Eine Retrospektive

Saturnalien 2006 - nach Meinung dieses Bloggers die beste Aufführung seiner Zeit dort

Gestern war ich zur diesjährigen Aufführung der Saturnalien am Institut für klassische Altertumskunde der CAU Kiel. Und auch wenn ich sie in den vorherigen Jahren gemieden habe (um Flo nicht zu begegnen, ja, krank, ich weiß), so hatte ich heute wirklich Lust darauf, und es hat sich gelohnt.

Das Phantom der Leibnizstraße, 2007

Was die Saturnalien sind, kann jeder hier nachlesen. 2003 war die erste Aufführung, die ich - damals als Zuschauer - miterlebt habe, bevor ich dann in den folgenden acht Jahren selbst auf der Bühne gestanden habe. Und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, wobei nach einigen Jahren eine gewisse Routine eingekehrt ist und die Aufregung vor der Aufführung (und irgendwie auch die Vorfreude) nicht mehr so groß war.

Gute Musen, schlechte Musen, 2008
 
Ich habe es geliebt, bissige und biestige Beiträge zu schreiben, die sich immer an einem Fünkchen Wahrheit aus dem alltäglichen Institutsleben orientiert haben. Der Grad der künstlerischen Freiheit in Sachen Karikierung, Übertreibung und komplett freier Dichtung wurde hierbei sehr unterschiedlich gewählt. Ein Sketch, der sich gleichzeitig sehr stark an der Realität orientiert hat und dennoch sehr abgedreht war, war Die psychedelische Prüfung.

Die psychedelische Prüfung, 2011
 
Und ich habe es nicht immer hinbekommen, gute Sachen zu schreiben. Sehr viel Ausschussware, das meiste davon auf meinem Rechner dem Verfall preisgegeben. Das hat besonders Beiträge getroffen, die sich zu sehr an Minderheiten orientiert haben, wie zum Beispiel Mittellateinstudenten. So hat es Spaß gemacht, den Sketch Paläographische Rezepturen zu schreiben, verstanden haben ihn allerdings nur die wenigsten, und zwar die, die sich mit Paläographie auseinandergesetzt haben. Und selbst dann musste man ordentlich aufpassen. Merke: Saturnalienbeiträge nie zu anspruchsvoll machen, schließlich möchte das gesamte Publikum unterhalten werden.

Mythologie für Mettenhof, 2009

Was mich im Nachhinein ein bisschen angefressen hat, war mein eigenes Verhalten während der kreativen und der Probenphase. Ich liebe es, Dinge zu planen, tendiere aber leider dazu, sie dann komplett an mich zu reißen - ohne, dass ich das überhaupt mitbekomme. So bin ich dann zum Chef und Sklaventreiber geworden, ohne dass ich das jemals wollte. Und ich war in Ansätzen ein Perfektionist und bin damit den anderen Saturnaliern ordentlich auf die Nerven gegangen.

Willkommen im Saturnalienzoo, 2010
Wie gesagt, ich selbst bemerke das eigentlich nie und bin drauf angewiesen, von Anderen ein entsprechendes Feedback zu bekommen, damit ich mal etwas an meinem Fehlverhalten ändere. Das habe ich aus jener Zeit gelernt und ein Standardsatz in meinem Kommunikationsrepertoire ist entstanden - wenn mir mal wieder jemand erzählt, wie sehr er oder sie sich über das Verhalten eines Mitmenschen aufregt: "Hast du ihm das denn einmal gesagt? Denn woher soll er sonst wissen, dass er etwas falsch macht, vielleicht bekommt er das überhaupt nicht mit und sieht gar keinen Bedarf, da etwas zu ändern."

Entern oder Bachelorn, 2007
Leider machen viele Menschen zu selten den Mund auf, gerade wenn es um einen Freund geht, den man nicht verletzen möchte. Nanu, woran mag ich da nur grad denken, ich bin gar nicht mehr bei den Saturnalien mit den Gedanken. Dort habe ich dann wenigstens bei meiner letzten Aufführung versucht, mich zurückzunehmen. Wirklich geklappt hat es zwar nicht, aber es war deutlich mehr von der "Ihr macht das schon"-Haltung da, die mir früher gut zu Gesicht gestanden hätte.

Heute Nacht nur und Ich war noch niemals..., 2006
Es war eine fantastische Zeit, sehr geil und abgefahren, und hat mein Studium extrem aufgewertet. Ich möchte sie auf keinen Fall missen, denke gern daran zurück und schaue mir alte Aufzeichnungen an.


Saturnalia quidem tota nostra