Donnerstag, 13. Juli 2017

Weisheiten


Dieser Beitrag ist längst überfällig. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ihn zu schreiben. 

Der Anlass: Ich schreibe hier Sätze, deren Bedeutung ich irgendwann einmal im Leben wirklich verstanden zu haben glaube. Irgendwann in meinem Leben gab es eine Situation, in der es KLICK gemacht hat. In der ich mir gedacht habe: "Das muss es sein, was der Verfasser damit gemeint hat!" Und es sind alles weise Sätze, nach denen ich auch tatsächlich lebe. Ich klatsche sie hier nicht hin, wie es viele Menschen machen, mit dem Gedanken "Ja stimmt, da ist wohl etwas dran!" - sondern ich habe sie in mein Lebensskript (Transaktionsanalyse) integriert. Das heißt nicht, dass ich sie *immer* befolge: Manchmal verhalte ich mich eben doch impulsiv und vergesse die zugrunde liegende Weisheit. Dann versuche ich jeweils, ihrer wieder eingedenk zu werden. Mir ist das tatsächlich ernst.

Der Zweck: Ich pinne diesen Beitrag im Blog links oben als ständigen "Link" an. Auf diese Weise kann ich immer schnell darauf zugreifen, denn diese Liste wird wohl erweitert werden. Ich erkläre die Bedeutung dieser Sätze nicht. Ich bin überzeugt, dass man sie von sich aus finden muss, um sie zu verstehen. Manchmal gebe ich an, von wem die Weisheit stammt, manchmal nicht.

 "Lächle, und die Welt verändert sich." (Buddha)

"Fehler der Freunde soll man kennen, nicht nennen."

"Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt." (Joachim Ringelnatz)

"Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt." (Dalai Lama)

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." (Bertolt Brecht)

"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann." 

"Erwarte keinen Applaus." (aus den Lojong-Losungen)

Mittwoch, 12. Juli 2017

Coming Out in der Schule


Who cares whether your teacher is gay...?!

"Also, wer ist Er denn nun, das wollten sie uns doch noch vor ihrem Abschied sagen."
"Hmmm... also, vor zwei Jahren hat Er sich ein bisschen in mich verliebt."
"Nein! Und sie?"
"Vor vier Jahren habe ich mich ein bisschen in ihn verliebt."
"Oh mein Gott, also, nicht persönlich nehmen, sind sie denn schwul?"
"Ja, Larissa-Pomfrieda, bin ich!"
"OhmeinGottichwollteschonimmereinenschwulenLehrerhaben,
ohsiedürfennichtgehenundichwollteihnenerstnochKajalschenken!"
[und Lilly, falls Du das liest: Ja, ich habe zuhause geweint ;-) ]

Süß - aber der beste Schülerspruch kam heute von einem Jungen: "Also, nicht böse sein, Dr Hilarius, aber in den Brownies ist viel zu viel Schokolade!" Ich hab vor Lachen auf dem Boden gelegen, das hat noch niemand gesagt, herrlich!

An jeder neuen Schule (dass Sätze überhaupt so anfangen dürfen...) überlege ich mir, wie lange ich die Schüler im Unklaren lasse. Ich rede einfach nicht darüber, wenn es sich nicht ergibt. Ich definiere mich nicht darüber (und die Buba überträgt das Ganze gerade auch auf das HB). In SPO hat in meiner siebten Klasse, Chaos Arsch und Zwirn, was habe ich sie geliebt; jedenfalls hat bereits in der zweiten Englischstunde eine Schülerin gefragt "Sind sie schwul?" und ich habe die Offenheit geliebt! Natürlich habe ich ihr einfach mit "Ja" geantwortet, und damit war das Thema dann auch gegessen.

Das meine ich ernst: Niemand hat mich deswegen angefeindet, weder Schüler noch Kollegen haben mich irgendwie gemobbt. Nach dem Motto "Ist doch vollkommen egal, ob Dr Hilarius auf Männer oder Frauen steht, er ist einer der beliebtesten Lehrer der Schule und fertig." (jaja, ich hör die Unkenrufe, Arroganz, eingebildet, immer her damit) Es geht um die Sache: Es hat in SPO niemanden gestört. Und, im Gegenteil, ich habe ihnen vorgelebt, dass ein schwuler Lehrer cool sein kann. Dass schwul nichts Negatives ist. Ich habe ein Ohr für sie, ich höre ihnen zu und verstehe sie. Die Schüler akzeptieren mich, unabhängig von meiner sexuellen Orientierung, und so soll es auch sein. Ich habe eine Kollegin, bei der es ganz genauso ist, und sie wird in Boostedt großartige Arbeit leisten. Wir leben es Euch vor: Schwul und lesbisch ist voll okay!

Ich denke, dass ich auch in NMS beim Großteil der Schüler einen Stein im Brett habe. Und dann ist es völlig irrelevant, ob ich schwul bin, oder hetero, oder bi, oder vielleicht ja auch asexuell - ja, sowas gibt es!

Und ich will da bleiben.

Dienstag, 11. Juli 2017

American Brownies (geil!!!)


20.000 Kalorien pro Stück - aber niemand kann sich ihnen entziehen...


American Brownies


Zutaten:

300 gr. sehr weiche Butter
300 gr. brauner Zucker
4 Eier
4 EL dunkler Kakao
100 gr. Mehl
2 TL Backpulver

nach Geschmack:

Walnuss- oder Pecannusskerne
Schokoplättchen in rauen Mengen ^^
400-600 gr. Kuvertüre (VM/Weiß)


Zubereitung:

100 gr. Butter schmelzen, Kakao unterrühren.

Rest Butter, Eier und Zucker aufschlagen. Der Zucker sollte körnig bleiben (dann karamellisiert er und gibt dem Gebäck eine interessante Textur).



Mehl, Backpulver und „Kakaobutter“ dazumischen.



Schokoplättchen (und nach Geschmack Walnuss- oder Pecannusskerne) unterheben - nicht mit dem Rührgerät, damit die Nüsse ganz bleiben.


Teig in eine gefettete, gemehlte Keramikauflaufform (oder Antihaft mit Backpapier ausgelegt), auf Rost mittlere Schiene und 30-35 min. bei 180°C Umluft backen.

Bei Verwendung von Kuvertüre: Den ausgebackenen Kuchen mehrfach mit einer dicken Stricknadel oder Essstäbchen einstechen.

Die Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und drübergeben - zum Beispiel mit 400gr. Vollmilchkuverstüre grundieren und mit 200gr. weißer Schokolade Muster aufzeichnen.

Guten Appetit!

Montag, 10. Juli 2017

Adventures im Unterricht

Ich habe es geliebt!

Wenn die Schule in den letzten Wochen liegt und die Ferien nahen, dann neigt man dazu, Filme zu zeigen, oder so. Was Nettes zu machen. Ich mach' das zumindest so. Wenn ich einen Film zeige, dann aber bitte auf Englisch, klar, meine 6d hat zum Beispiel Jumanji geschaut. Englisch mit englischen Untertiteln, geht.

Mit meinem schnellen Kurs in 7 habe ich eine Alternative erwogen: Inspiriert durch mein Projektwochenthema "Rollenspiele selbstgemacht!" bin ich heute mit den Schülern auf die Reise zum Firetop Mountain gegangen. Das war meine Jugend: Abenteuer-Spielbücher, in denen man selbst entscheidet, wie sich die Geschichte entwickelt. Der Klassiker schlechthin ist The Warlock of Firetop Mountain (Der Hexenmeister vom flammenden Berg).

Also bereiten wir uns vor - Tische und Stühle beiseite, wir sitzen auf dem Boden im Halbkreis mit Blick auf die Tafel. Ich sitze den Schülern entgegengesetzt mit dem Buch in der Hand. Ein Schüler geht an die linke Seitentafel und schreibt unsere Statuswerte auf, und die Kampfübersicht. Eine Schülerin an der rechten Tafel führt das Inventar und ein dritter Schüler zeichnet in der Mitte die Karte, an der wir uns orientieren.

Und dann beginnt das Abenteuer, ich bin der Spieleleiter und die Schüler übernehmen die Rolle des Helden. Ich lese aus dem Buch vor (natürlich auf Englisch), bis zum Ende des ersten Abschnitts. Immer wieder wird unser Held vor Entscheidungen gestellt: Gehen wir nach Westen oder Norden? Ziehen wir den linken Hebel oder den rechten? Nehmen wir den Bronze- oder den Eisenhelm? Wir kämpfen gegen Orcs, Schlangen, Trolle, auf der Suche nach dem Hexenmeister und seinem sagenumwobenen Schatz. Wir laufen in die eine oder andere Falle; Entscheidungen werden per Mehrheitsbeschluss gefällt. Morgen erforschen wir die Höhlen weiter, ich freu' mich schon darauf.

Das geht nicht mit zu großen Lerngruppen, ganz klar. Man kann diejenigen, die partout nicht mitspielen wollen, in den Filmraum setzen, whatever, aber so ein Abenteuer zu spielen gibt sicherlich dem einen oder anderen Schüler den Impuls, sich mal zuhause etwas mehr über die Fighting Fantasy Gamebooks zu informieren.

Ist doch super, wenn man Schüler zum Lesen bringt!

Samstag, 8. Juli 2017

Iris Schneider

And so it's come to this: Rauchschwaden über Hamburg (Quelle)

Es knallt. Es brennt, es fackelt, es raucht, es splittert. Es tobt ein Krieg. Rauchschwaden, zertrümmerte Fensterscheiben, aufgerissene Gehwege, verkohlte Autokarosserien, Straßenreinigung. Fassungslose Müllmänner. Kopfschüttelnde Passanten, weinende Anwohner. Müll, Trümmer, Asche - und der Schwarze Block zieht weiter, denn der zweite Tag des G20-Gipfels hat gerade erst begonnen. Und während drinnen Konzerte gehört werden, Zusammenhalt gegen Protektionismus demonstriert wird und ein pommesgelber Präsident Egozentrik lebt, zeigen draußen ein paar feige vermummte linksradikale Autonome ihre Auffassung vom Demonstrationsrecht - indem sie sich Autos unbescholtener Anwohner vornehmen, die Fensterscheiben einschlagen, Bengalos hineinwerfen und die Wagen schließlich in Flammen aufgehen lassen. Rauchschwaden über Hamburg - seid Ihr sicher, dass Ihr damit der Armut in der Welt entgegenwirkt? Dass Ihr damit gegen Trumps Politik gegenankommt? Dass Ihr damit den Klimawandel stoppt?

Und gestern dachte ich noch ernsthaft, dass ich die Ereignisse in Hamburg nicht weiter kommentiere. Weil das bereits genügend Medien tun, und weil ich keine Ahnung vom politischen Spektrum habe. Allerdings habe ich einen Namen gelesen, Iris Schneider, sowie den Namen der Straße Schulterblatt in Hamburg und jenen der Roten Flora. Und in meinem Kopf musste ich das Ganze zu einem passenden Ganzen verknüpfen, und das beginnt mit einer Bahnfahrt vor etwa zwanzig Jahren. Ich sitze im Zug nach Berlin, zu meiner verrückten, fantastischen Tante.

Zum ersten Mal allein, ohne meine Ma - wie aufregend. Und so sitze ich hellwach auf meinem Platz, blicke die ganze Zeit um mich herum aus den Fenstern und nehme die Eindrücke wahr. Und so fahre ich auch durch Hamburg und sehe, wie jedes Mal, das große Konzerthaus der Neuen Flora. Das fand ich immer wieder faszinierend, und heute weiß ich auch, warum sie neu ist - weil  es nämlich ein ursprüngliches Floratheater woanders gab, nämlich am Schulterblatt 71. Im Hamburger Schanzenviertel. Seine Geschichte beginnt im neunzehnten Jahrhundert, interessiert mich aber erst so richtig ab den ausgehenden 1980ern, als es nämlich von der autonomen Szene besetzt worden ist. Links. Und so wurde aus der Flora - logisch - die Rote Flora. Bis heute besetzt, und auch heute noch eines der wichtigsten Zentren der autonomen Szene. Ausgangsort vieler kultureller Veranstaltungen - Schauplatz eines sozialen Brennpunktes mit allen dazugehörigen Facetten. Auch den radikalen.

Und so gab es seit Gründung des Zentrums immer wieder Einsätze undercover, so auch in den Neunzigern von Iris Schneider - so der Tarnname der Ermittlerin, die sich dort eingeschlichen hat. Man mag von den linksradikalen Aktionen halten, was man will, aber jener Einsatz bewegte sich hart an der Grenze des rechtlich Möglichen. Leider auch jenseits dieser Grenze, und so klinkte Iris Schneider sich per Liebesbeziehungen in die Szene ein, verletzte Persönlichkeitsrechte, und man muss sich fragen, wie weit Ermittler gehen dürfen. Geltendes Recht wird offensichtlich rund um die Rote Flora auf beiden Seiten gebrochen. Nicht nur durch Iris, da gab es immer wieder welche, über die Jahre verteilt, sie nannten sich Stefan, Maria, Astrid, und garantiert noch mehr - und die Besetzer der Roten Flora entschieden sich, Portraits der Ermittler auf die Gebäudewand zu plakatieren.

Wo verläuft die Linie des Rechts? Wie weit darf man gehen, um Polizeigewalt zu enttarnen? Wie weit darf man gehen, um das "Staatswohl" zu sichern?

Hamburg brennt - und während niemand sich von Verantwortung freimachen kann, muss man wohl oder übel feststellen, dass das alles absehbar war. Wie leichtsinnig war es, eine solche Veranstaltung in eine Metropole zu legen? In eine, die das gesamte politische Spektrum schillernd widerspiegelt? Die Polizei und die Demonstranten sind ihrem "Wesen" gefolgt - und letztlich wird sich dafür Bürgermeister Olaf Scholz verantworten müssen.

post scriptum: Diese Worte von Ende Juni wird man ihm um die Ohren schlagen - "Sie werden am zweiten Tag staunen und sich wundern, dass der Gipfel schon vorbei ist!" Ich kann mir nur ausmalen, wie viele Menschen sich jetzt (am Samstagnachmittag) das Ende herbeisehnen... irgendwie ist bezeichnend, dass das Konzert in der Elbphilharmonie stattfand - die zwar toll, aber ein weiteres Mahnmal fehlgelenkter Ideen (auf Kosten der Steuerzahler) ist - der nächste G-Gipfel wird dann vielleicht in Berlin stattfinden, auf dem Gelände des BER-Flughafens, das bis dahin voraussichtlich immer noch nicht für den Flugverkehr freigegeben sein wird. Irgendwas läuft bei diesen Möchtegern-Machtdemonstrationen falsch; vielleicht hätte "Iris Schneider" lieber an diesen Schauplätzen ermitteln sollen...

Tagebuch-post scriptum: Doppelt blöder Start in den Samstag - ich habe verschlafen und damit die Demo im Rahmen des Kieler CSD verpasst. Das ist mir eigentlich immer recht wichtig, zu zeigen, dass es "uns" gibt, "anders" liebende Menschen. Und darüber hinaus stelle ich beim Durchsuchen der Wohnung fest, dass ich mein Original-Schwimmbad nicht mehr finde. So eine Scheiße! Letzter Versuch: Mit der Taschenlampe runter in den Keller, wo dreckig is'... großer Mist, findet sich nicht wieder an. Dann nutze ich das als Chance, entwerfe das Schwimmbad aus dem Kopf neu und schreibe nebenbei die Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Schüler. Passt. Aber erst morgen, I'm putzing, don't stop me!

Freitag, 7. Juli 2017

PehBeh-Onn

Und täglich grüßt das pbOn...

Vorwort: Ich könnte heute über so viel Interessanteres schreiben. Zum Beispiel über den G20-Gipfel, über die Art und Weise des Polizeieinsatzes und über die jetzt wieder aufkommenden Eskalationen der "Welcome to Hell"-Demo. Ich könnte auch das virale Rettungsgasse-Video kommentieren, in dem ein Vierzigtonner sich den Rettungskräften mitten in den Weg stellt. Letzteres gibt mir nicht genug her; Ersteres wird bereits reichlich von Menschen aufgearbeitet, die mehr Ahnung von G20 und dem Einsatz von Polizeigewalt haben als ich. Also geht es mir heute mal wieder um eine persönliche Auseinandersetzung. Und dennoch, dieses Video fand ich recht beeindruckend, heute morgen aus der KN gefischt - eine Autofahrt durch Altona. Lässt einen an ganz andere Szenarien denken...

 Quelle: http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Live-Blog-Donald-Trump-landet-in-Hamburg

Das Video ist derzeit wesentlich viraler als das des LKWs - vollkommen zu Recht. Scheint, als hätte Olaf Scholz nur von der Wand bis zur Tapete gedacht; was in Hamburg derzeit abgeht, könnte ihn die nächste Wahl kosten, dieser Meinung schließe ich mich an. 
Aber nun zurück zum Blogthema.

Ich denke mal, jeder Junglehrer in Schleswig-Holstein, der sich in das Regelschulsystem integrieren möchte, hat schon einmal vom pbOn gehört. Das ist das landeseigene Bewerbungssystem, dort werden alle Stellenangebote gesammelt und nach Vertretungs- und Planstellen sortiert. Dort legt jeder Lehrer sich eine Bewerbungsmappe an, mit allen nötigen Unterlagen - Lebenslauf, Anschreiben, dienstliche Beurteilung und aktueller Arbeitsvertrag.

Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Arbeitsvertrag, der über ein ganzes Jahr lief. Ich möchte nicht den letzten Vertrag in SPO verschweigen, den der Schulleiter auf ein Jahr hin beantragt hatte, den ich aber kürzer haben wollte, um flexibler zu sein und von dort wegzukommen, sollte ich das wollen. Ich wollte es.

Nun, vor etwa einem Jahr habe ich also meine Bewerbungsunterlagen samt und sonders aktualisiert, Silke Rohwer, damals Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Neumünster-Brachenfeld hat mich per Suchmaschine gefunden und war neugierig. Der Rest ist Geschichte. Ich hatte das pbOn im Sommer 2017 längst vergessen - wozu hätte ich mich dort auch weiter rumtreiben sollen, es stand ja eine Zukunft in Brachenfeld in Aussicht. Im Laufe des Jahres wurde meine Bewerbungsmappe dann passiv gesetzt, weil es keine neuen Bewerbungen gab, das Ganze ist quasi eingeschlafen.

Gestern gab es den Weckruf. Es nützt ja alles nichts, ich muss mich den Tatsachen stellen: Ab August bin ich arbeitslos - mal wieder. Jener Beitrag hat damals diesen Blog eröffnet. Als jene Kollegin, die mich ersetzt, mich heute darauf hingewiesen hat, dass Faldera (noch so ein NMS-Laden) eine Planstelle mit Englisch ausgeschrieben hat - "und du meintest doch, dass du gerne an einer Gemeinschaftsschule arbeiten möchtest" - habe ich dann endlich meine Bewerbung aus dem Dornröschenschlaf wachgePDFt und mich wieder für das allgemeine Bewerbungsverfahren angemeldet. Lustig nur, dass von Faldera gar keine Ausschreibung zu finden ist.

Na und?

Es fühlt sich so scheiße an. Das pbOn wieder aktualisieren zu müssen, es fühlt sich an wie ein riesiger Schritt zurück. Was immer ich auch glaubte, erreicht zu haben - KLICK - es wirkt auf einmal nichtig. Alle netten Menschen, die ich kennengelernt habe, alle Eltern, die ich mühsam von meiner Qualifikation überzeugen musste, all' der Gegenwind und alle Barrieren, die ich habe überwinden müssen - wofür? An einer eventuellen neuen Schule werden die Barrieren wieder da sein, die ganze Scheiße wird von vorne beginnen. Ich fühle mich wie ein Erstsemester, und an einer unbekannten Schule werden sie mich - mal wieder - ganz genau so aufnehmen: Wie einen frischen Uni-Absolventen, der von Schule überhaupt keine Ahnung hat. Voreingenommen und voller Vorurteile: So haben sie es in Brachenfeld gemacht, so haben sie es in Eckernförde gemacht, so haben sie es in Husum gemacht.

Dieser eine Klick auf das Feld Bewerbungsmappe aktualisieren tritt so viele Gedanken los... und leider keinen einzigen guten. Und es bleibt dabei: Diese Bewerbungsmappe ist pro forma, denn ich möchte in Brachenfeld bleiben. Lieber werde ich arbeitslos, als wieder an eine neue Schule zu gehen und diesen ganzen Sozialterror noch einmal durchstehen zu müssen!

Freu' mich schon drauf, das meinem Sachbearbeiter in der Arbeitsagentur erklären zu müssen...