Sag mal, Dr Hilarius, bist Du tot? Mal wieder zwei Tage nichts geschrieben - ist eigentlich völlig undramatisch, signalisiert mir aber, dass es mit meiner Selbstdisziplin momentan etwas hakelt, da gibt's noch Entwicklungspotential.
Es geht mal wieder um Freizeitparks. Das interessiert Euch nicht? Like I care! Das Wetter schreit geradezu danach, sich in das erfrischende Wildwasser zu stürzen und danach mit hundertsiebenundzwanzig Sachen trocken pusten zu lassen. Vielleicht morgen, mal schauen. Heute jedenfalls habe ich in einer alten Ausgabe der Amusement Today gestöbert. Sie veranstalten jährlich die Golden Ticket Awards; das ist für die Freizeitparkszene in etwa so wie die Academy Awards ("Oscars") für Hollywood. Ich verfolge die Preisverleihung immer recht gespannt, mich interessiert, welchen Park die Amerikaner zum Beispiel für den Best Park halten. Das war vierzehn Jahre lang Cedar Point in den USA, ungeschlagen, bis der Europa Park quer über den Teich hinüber bekannt genug geworden ist und 2014 zum besten Freizeitpark weltweit gekürt wurde. Diesen Titel trägt er noch immer, und das zu Recht.
However, mir ist beim Lesen der Schlagzeilen eine Formulierung aufgefallen, ein Qualitätsmerkmal für Freizeitparks: "lack of queues" (/kju:z/) - und ich war verwirrt. Warum ist es ein Zeichen der Qualität eines Freizeitparks, wenn da keine Anstellschlangen sind? So sieht eine klassische queue line aus:
Das ist der Wartebereich der Achterbahn GateKeeper in Cedar Point. Diese Warteschlangen sind doch wunderbar: Hocheffizient können hier viele Menschen auf engem Raum kontrolliert Richtung Bahnhof geleitet werden. Klasse, oder?
Nein.
Es ist effizient, ganz ohne Frage. Und in einem Zeitalter von Acceleration, Neuroenhancement etc., in dem es alles immer schneller laufen muss, mag das angemessen sein, aber schön ist das nicht. Langeweile kommt auf in diesen Metalllabyrinthen. Na, wie oft müssen wir noch hin und her gehen? Nur noch vier mal, dann sind wir im nächsten Umleitungsblock. Große Freizeitparkketten wie Cedar Fair oder Six Flags benutzen diese Methode häufig, auch weil sie kostengünstig ist. Die Alternative ist teurer: Die Warteschlange in die Gesamtthematisierung integrieren.
Keine Metall-Leitlinien, sondern direkt auf das Burggelände, in das Horror-Labor, in die Diamantenmine, in die Kathedrale. Ich bin ein großer Fan umfangreicher Thematisierungen, die den ganzen technischen Schnickschnack verstecken. Dr Hilarius, bring' doch mal ein Beispiel, damit man sich das vorstellen kann! Nehmen wir den Fluch von Novgorod im Hansa-Park. Sollte ich morgen hinfahren, könnte ich ja mal ein Foto nachliefern. Am Wegesrand steht ein Stein mit der Aufschrift "Fluch von Novgorod", man geht durch ein Tor und wandert einen verwitterten Pfad entlang, vorbei an Vogelscheuchen und Krähen, bis man schließlich im Weliky Novgorod landet und weiter durch die Gewölbe geht. Alles hübsch anzuschauen, kein langweiliges hin und her, hinter jeder Ecke erwartet den Besucher ein neuer Anblick.
So wird es auch beim Schwur des Kärnan sein. Zum Glück zieht langsam auch der Heide-Park nach und bastelt spannende Warteschlangen. Das gehört zum Erlebnis dazu, die Sinne sollen schließlich verwöhnt werden. Die Wartezeit soll so angenehm wie möglich gemacht werden. Und da, sorry, finde ich die großen Freizeitparkketten nicht sehr geschickt. Sie haben die größten Achterbahnen, wahre Monster, toll! Aber irgendwie fühlt man sich wie auf einem Fließband, wenn sich immer die Abfolge wiederholt: Warten-hin-her-hin-her-hin-her-JUHU!-Warten-hin-her-hin...
Um den Rückschluss zu ziehen zum Titel des Beitrags: Genau aus diesem Grund, der Immersion in die Themenwelt des Parks, ist es ein sehr positiver Faktor, wenn keine auffälligen Warteschlangen-Konstruktionen sichtbar sind. Es trägt dazu bei, dass man als Besucher ganz neugierig einfach mal in die Höhlenöffnungen reinschaut, einfach mal in die Tür hineingeht, einfach mal schaut, was abseits des Weges liegt.
Freizeitparks können ein richtiges Abenteuer sein - aber nicht, wenn man dabei von metallischer Realität erschlagen wird.
post scriptum: Truth be told - Kärnan hat die Herzfigur. Und als Gerüst hat Gerstlauer da einen Stahlwald kreiert, der sich nicht so leicht verstecken lässt. Aber irgendwie muss ein Hypercoaster ja gestützt werden, und was das wohl kosten würde, wenn man nun auch noch die Stützen aufwändig thematisieren müsste! Es ist eine Gratwanderung zwischen Intensitätsmonster und Darkride-Coaster.
Dienstag, 10. Mai 2016
Samstag, 7. Mai 2016
Massive Milka Onslaught
Es war einmal zu meiner Jugend, da gab es vielleicht fünf verschiedene Sorten Milka Schokolade und das war's dann auch. Und es hat gereicht. But, the times are changing, tempores mutantur, die Schläfen ändern sich und die Zeiten auch. Wer heutzutage auf dem Süßwarenmarkt bestehen will, muss aufstocken. Mittlerweile nehmen die Milka-Produkte bei unserem Laden ein ganzes Regal ein. Natürlich gibt es da die obligatorischen zweihundertsiebzehn Sorten Tafelschokolade in wahlweise einhundert oder dreihundert Gramm, die neuen Sorten sind etwas manipulativer, zum gleichen Preis stecken dann neunzig Gramm drin. Die Sortenvielfalt reicht von Noisette über Nuss und Nuss-Nougat bis zu Teta-Nuss und Thrombose.
Doch das war erst der Anfang, denn Milka macht auch Gebäck. Kekse in diversen Sorten, mit und ohne Schokolade, Kuchen, klein und groß, fehlt eigentlich nur noch die Milka-Pizza. Ich muss zugeben, dass ich die Cookies Sensations ziemlich genial finde, die von außen knusprig gebacken sind und innen weich, geht so ein bisschen aus dem soft baked-Trend hervor, man merkt langsam, dass der Verbraucher mehr Abwechslung braucht, und zwar nicht nur bei den Geschmacksrichtungen, sondern auch bei den Konsistenzen. Den "Strukturen", wie der Gourmet vermutlich sagen würde.
Aus diesem Grund hat man jetzt die neue Schokolade "Triple" auf den Markt geworfen. Sie erhält ihren Namen daher, dass jeder Riegel der Schokolade drei unterschiedliche Sorten enthält, genauer gesagt, drei unterschiedliche Strukturen. Das gibt es in den Sorten "Kakao" (mit flüssiger Schokolade/Schokoladencreme/Schokokeksstücken) und "Karamell" (mit flüssigem Karamell/Karamellcreme/Karamellkrokant). Und ich muss sagen, das schmeckt einfach...
...leider geil. Die Geschmacksrichtungen sind überhaupt nichts Neues; die Confiserien, die gern den Takt angeben in Sachen Innovationen, setzen zur Zeit auf Cocktailfüllungen. Die Idee aber, drei Sorten in einer Schokoladentafel zu vereinigen ist großartig. Da haben doch schon so ein paar olle Knacker vor über zweitausend Jahren etwas behauptet von "Variatio delectat!" - Abwechslung erfreut, in jeglicher Hinsicht. Und anstatt sich drei Tafeln mit unterschiedlichen Sorten zu kaufen, die man eh nicht alle isst, weil man sich dann grauenhaft fühlt und nie wieder in den Spiegel sehen kann, bietet Milka hier die Möglichkeit, mit einhundert Gramm ein Spektrum abzudecken. Toll auch zum Anbieten, und man darf wetten: Kein Gast wird die Party verlassen, bevor er nicht alle drei Sorten einmal probiert hat.
post scriptum: Warum lasse ich mich von Milka eigentlich nicht für solch eine Werbung bezahlen? Jaja, Dr Hiwarius, für diesen Fehwer wirst Du mit Deinem Weben bezahwen!
Freitag, 6. Mai 2016
Sonnencreme und Pfefferspray...
...hätte ich heute gut gebrauchen können, denn ich war im Hansa-Park. So ein verdammt gutes Wetter, das verlockt einfach, und ich wollte sehen, wie weit die Arbeiten beim Schwur des Kärnan vorangekommen sind. Also springe ich ins Auto, fahre mal wieder ganz nichtsahnend los, biege kurz vor Sierksdorf links ab und sehe in der Ferne schon den Turm der Festung aufragen. Dann kommt zur Rechten der Fußweg in Sicht, der den Bahnhof Sierksdorf mit dem HaPa verbindet. Das heißt, er käme in Sicht, wenn man vor lauter Menschen noch den Asphalt sehen könnte. Ein nicht enden wollender Strom ("Nolite! Wollet nicht!") an Besuchern fließt in Richtung des Parkeinganges, klar, eben ist gerade der Regionalexpress aus Lübeck angekommen, der bringt bei solchem Wetter immer viele Menschen mit.
Also biege ich links ein Richtung Parkplatz und suche eine Reihe mit freien Plätzen. Reihe 4...6...8... und mir kommen massenweise Touristen entgegen. Langsam schwant mir, dass es voll werden könnte. Kein Wunder: Himmelfahrtswochenende, Brückentag, himmlisches Wetter, nicht zu heiß, aber trocken und sonnig. Ich biege schließlich in Reihe 20 ein, das kann doch nicht sein, dass da nichts frei sein soll. Ich fahre weiter. Und weiter. Und weiter, bis dahin, wo der Parkplatz aufhört und der Wald anfängt. Hier gibt es schon keine Straßen mehr, die Wege sind nicht gepflastert und ich rolle den Trampelpfad entlang, der Kies knirscht unter meinen Rädern. Wenn man vom Eingang aus schaut, ist es da ganz hinten links. Nein, noch weiter hinten. Siehst Du dort, wo die Birken stehen und die Menschen aussehen wie Ameisen? Ja, also von dort aus noch drei Meilen gen Norden. Kurz vor Fehmarn.
Und ich bin heilfroh, dass ich nicht erst noch eine Karte kaufen muss, kann also die sabbernden Monstermassen und ihre Betreuer links und rechts rumnölen lassen. Nein, hier brauche ich noch kein Pfefferspray - aber Sonnencreme wäre eine gute Investition. In Erwartung horrender Wartezeiten spaziere ich zu Nessie und sehe erfreut, dass zwei Züge in Betrieb sind. Damit erreicht die Bahn bei 90-Sekunden-Taktung eine theoretische Kapazität von 1120 Fahrgästen pro Stunde. Das ist für einen Park in der Größe des HaPa vollkommen ausreichend. Als Vergleichswert: Silver Star im Europa-Park verschlingt pro Stunde mehr als 1800 Fahrgäste - trotzdem muss man warten. Aber nach zehn Minuten sitze ich auf meinem Stammplatz (ganz hinten rechts) und genieße den traumhaften Blick über die Ostsee.
Unweigerlich führt mich der Weg zu Kärnan, die Warteschlange reicht bis zum Eingangstor des Festungsgeländes, man darf in diesem Fall mit ziemlich genau einer Stunde Wartezeit rechnen. Im Englischen nennt man so eine Bahn capacity nightmare, das trifft es bei etwa 384 Fahrgästen pro Stunde. Ist voll okay, ich lass mich sonnen - solange es noch geht; die meiste Zeit verbringt man im Schatten des Turmes und in den Gewölben der Festung. Und während ich so warte, wünschte ich mir das Pfefferspray herbei, um einfach diese unreflektierte Scheiße loszuwerden, die mir von dämlichen Teenagern vor und hinter mir entgegenschallt (a la "Uhh, warum schreien die denn alle, ist doch gar nicht schlimm." - Ja, Dschasstin, Du bist so super cool, dass Du noch nichtmal weißt, dass es diverse Gründe gibt, in der Achterbahn zu schreien - whatever, er scheint den Kopf auf Durchzug zu haben, kein Problem, wenn da drin nichts zum Blockieren ist). Heute hat's leider nicht so gut geklappt mit dem Ausblenden. Spätestens, als der Gang ansteigt und es die Festungsmauern entlang geht, bin ich abgelenkt durch das Betrachten der Fortschritte. Die Fassadenarbeiten kommen gut voran, insgesamt würde ich jetzt schätzen, steht die Thematisierung bei etwa 60%. Am Turm selbst ist noch nichts geschehen; das darf aus Gründen der Durchhärtung des Betons erst im August losgehen. Das Zugbrückentor ist fertig und sehr schön, der Soundtrack ist ordentlich installiert und insgesamt neun Flachbildschirme zeigen einem das Kärnan Museum TV, die Dokumentation, die den ganzen Besuch in der Festung umrankt. Die ersten fünf Teile sind mittlerweile hier bei Youtube zu sehen.
Im Inneren der Festung erwarten einen mehrere Räume, bevor man zum Bahnhof gelangt. Drei Räume sind noch in Arbeit, ich weiß, was dort entstehen soll, aber will niemanden spoilern. Danach gelangt man in den Taschenraum, wo ein weiteres thematisches Video den Fahrgästen das System der Gepäckabgabe erklärt. Das Thema? Wir erforschen den heutigen Kärnan und haben das geheime Atelier des Baumeisters entdeckt. Von da an wird es richtig spannend und da man sich nicht mehr an Taschen o.ä. klammern muss, kann man von jetzt an alles auf sich wirken lassen. Was dieses "Alles" ist, werde ich in meiner Analyse beschreiben, sobald das Projekt komplett fertiggestellt ist. Es ist jetzt bereits sehr beeindruckend, und der Soundtrack ist haargenau auf die Fahrt abgestimmt. Man bekommt eine kleine Gänsehaut, wenn man im Dunkeln im Turm hochgezogen wird und dabei Erik Menveds magische Formel hört, mit der er die Festung gegen Feinde gesichert haben soll. Hoffentlich kann ich bald mal wieder in der ersten Reihe fahren - man wird per Zufall zugeteilt (mit einem recht genialen Trick).
Ach, das war schön, ich fühle mich durchgeschüttelt, jetzt können mir auch nervige Parkbesucher nichts mehr anhaben. Dachte ich und wurde eines Besseren belehrt. Es scheint heute wieder eine Epidemie des "Ich bleibe ohne Vorwarnung mitten auf dem Weg stehen und stelle meinen Kinderwagen links neben mich, gebe meinem Balg rechts ein Brötchen, so dass auf diesem fünf Meter breiten Weg keiner mehr vorbeikommt" umgegangen zu sein. Hoffentlich erholt man sich davon wieder. "Pánta rhêi", sagt der Grieche, aber der heutige Besucherstrom fließt nicht.
Naja, ich trottel' dann wieder zurück zum Auto, stehe auf der Brücke, die über die B20whatever führt, und schaue die parkenden Autos an. Es ist nicht zu glauben: Bis auf die hintersten Wald-Birke-Trampelpfad-Fehmarn-Ecken ist alles belegt. Was bin ich froh, dass ich früher gehe und nicht in den Abendverkehr komme, lang lebe die Saisonkarte.
Ein grandioser Tag für den Hansa-Park.
Ein grandioser Tag für Sonnenbrand.
Ein grandioser Tag für Dr Hilarius.
Mittwoch, 4. Mai 2016
Psychologie
Fünfzehn Jahre hat es gedauert, bis ich Silent Hill 2 gespielt habe. Dabei trifft das Spiel genau meinen Nerv - ich interessiere mich für Psychologie. Ich habe mich im Studium mit Subjektskonstitution, Spiegelung im Anderen und diversen Konzepten auseinander gesetzt. Der Mensch ist höchst faszinierend in seinem Handeln, könnte man sagen.
Im Gegensatz zu anderen "Survival Horror"-Games wie Resident Evil wird die Spielwelt hier durch die Psyche des Protagonisten kreiert. Die Monster, die man bekämpft, sind Manifestationen seiner eigenen Schuld, sexuellem Verlangen usw.; schon die erste Szene des Spiels, oben im Bild dargestellt, bereitet den Spieler darauf vor, dass es psycho-logisch wird. Und der Anspruchslevel ist im Vergleich zu anderen Spielen hoch. Die Rätsel mögen vollkommen deplaziert wirken ("benutze Dosenöffner mit Dose, um darin enthaltene Glühbirne in eine Fassung zu drehen, damit genügend Licht auf eine Tür fällt und man das Schlüsselloch findet", "löse vier unterschiedliche Schlösser, die eine Kiste sichern, um darin ein Haar (!) zu finden, mit dem man - kombiniert mit einem gebogenen Drahtstück - im Duschabfluss nach einem Schlüssel angelt"), aber in der Retrospektive ergeben sie einen Sinn.
Faszinierend, noch während ich diesen Beitrag schreibe, geht mir ein Licht nach dem anderen auf und ich verstehe. Jemand sagte mal: "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden." Das ließe sich auch auf das Spiel anwenden. Auch hier gibt es die Möglichkeit eines zweiten Spieldurchlaufs, der - ganz dem hermeneutischen Zirkel entsprechend - auf einem anderen Level abläuft, mit einer neu gewonnenen Erkenntnis. Ähnlich wie das Sternenkind in Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey, das neugeboren aus dem Weltall auf die Erde blickt, mit einem Bewusstsein dessen, was alles vorher geschehen ist. Reifer, sozusagen.
Man wandert nicht durch ein altes Herrenhaus und zerlegt dabei auf möglichst splatterige Weise Zombies (was nicht heißen soll, dass das keinen Spaß macht, ich liebe Resident Evil und Alone in the Dark: The New Nightmare). Man durchwandert die eigene Psyche und kämpft gegen die inneren Dämonen. Das ist auch der Grund, warum (in der Spielwelt) jeder Charakter die Stadt Silent Hill anders erlebt. Das Mädchen, das vom Vater sexuell missbraucht worden ist, streift durch ein anderes Silent Hill als der Junge, der immer wegen seiner Körperfülle gemobbt wurde und in der Folge seine Peiniger tötete.
Es gibt einen Twist gegen Ende des Spiels, aber während des Durchlaufs werden immer wieder Hinweise eingestreut, so dass man nicht mehr von der Auflösung überrascht ist. Das sollte man dem Spiel nicht vorwerfen; es ist in sich unglaublich stimmig und lässt sich reibungslos - und ohne richtige Längen - durchspielen. Dass man den Schwierigkeitsgrad der Action und der Rätsel unabhängig voneinander vor Beginn des Spiels einstellen kann, finde ich sehr geschickt.
Es gibt viele Rezensenten da draußen, die SH2 als das beste Horror-Spiel auf dem Markt bezeichnen. Ich kann das in der Form nicht teilen; ich würde sagen, es spielt ganz oben mit. Ich möchte keinen ersten Rang vergeben, denn dann müsste ich mich entscheiden zwischen Project Zero 2 und Silent Hill 2. Das ist nicht nötig.Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und das Spiel wird noch eine ganze Weile nachwirken. Thumbs up!
post scriptum: Aus aktuellem Anlass habe ich alle Beiträge dieses Blogs zu meiner derzeitigen Schule entfernt. Ich bin darum gebeten worden und verstieße gegen §12 BGB, "Namensrecht", wenn ich dieser Bitte nicht nachkäme. Also wundert Euch nicht, wenn der eine oder andere Artikel, wenngleich auch Lob dabei war, nun nicht mehr angezeigt wird.
Ich weiß jetzt, was jemand (siehste?) meinte, als er zu mir sagte: "Tobi, sie sind für ein Kollegium unglaublich wichtig. Ihre Schule wird davon profitieren, dass sie bestimmte Sachverhalte aufzeigen und Dinge hinterfragen, auch Haltungen ihres Dienstherrn; allerdings sind sie genau aus diesem Grund unbequem und nicht jeder kann damit umgehen. Lassen sie sich davon aber nicht abbringen."
Das habe ich im Studium auch öfters zu hören bekommen. Ich habe im StuPa gearbeitet, Fachschaftsarbeit verrichtet und bin bei jeder Demo mit auf die Straße gegangen. Wenn ich nun damit aufhörte, liefe ich Gefahr, zu einem leo mansuetus zu werden, den Statius so trefflich beschrieben hat.
Dienstag, 3. Mai 2016
Maxdome meets AfD
So, ich muss das hier nochmal breittreten. Nachdem ich das gestern bei Heise Online als kleinen Newsbeitrag gelesen habe (von einem Namensvetter vollkommen zu Recht mit den Tags "Homophobia" und "AfD" versehen), ist es ein wenig gesackt. Das könnte heißen, dass ich mich wieder etwas beruhigt habe - nein. Ich kotze noch immer. Wenn das so weitergeht, habe ich bis morgen Modelmaße erreicht. Doch zunächst einmal ist hier der Link zum Artikel, der mich aufregt.
Maxdome wird gern mal im Fernsehen beworben als Netzangebot von Pro7 und Konsorten - mit dem Stolz, eine riesige Auswahl anzubieten und eigentlich DIE Adresse schlechthin zu sein, wenn man Filme online sehen möchte. Und wunderbar: Wie oft ist es schon vorgekommen, dass ich einen Film unbedingt sehen wollte, der aber wiederum in ein Nischenprogramm gehörte und für mich damit nicht leicht aufzufinden war. Sicherlich hätte Maxdome mir weitergeholfen.
Bis vor Kurzem hatte dieser Saftladen eine Sparte, ein spezielles Filmgenre "Queer" im Angebot und damit ein Alleinstellungsmerkmal unter dem reichhalten Netz-Kino-Overkill. Über 400 Filme aus dem SchwuLesBischen Angebot (und all seinen Spielarten, LGBTQIS oder so ^^). Klasse! Denn es ist nun mal so, dass solche Filme nicht als massentauglich angesehen und deswegen selten angeboten werden. Labels wie Pro-Fun oder Salzgeber kämpfen darum, ihre Filme einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Und wir alle wissen, dass es nicht nur die zehn Prozent der Gesellschaft sind, die so etwas schauen. Wenn die Heten sich unbeobachtet oder einfach mal entspannt und frei fühlen, dann überkommt sie die Neugier (wen meine ich da bloß gerade???) und sie werfen zumindest mal einen Blick hinein. Und das ist auch vollkommen in Ordnung!!!
Da wollte ich also gerade stolz auf Maxdome sein und lese dann, dass der Kanal seine Sparte "Queer" auflöst. Die offizielle Begründung klingt nachvollziehbar: Man wollte das Angebot umstrukturieren, um nicht zu viele Sparten unübersichtlich werden zu lassen. Die Filme seien nun in "Romantik" und "Drama" allesamt wiederzufinden. Nun mag man davon halten, was man will. Sicherlich ist es eine lächerliche Einstellung zu glauben, man könne jegliches queere Kino in Drama oder Romantik einteilen. Macht man ja auch nicht mit Heten-Hollywood. Aber gut, ich schluck diese Übelkeit angesichts der Borniertheit erstmal herunter.
Dann lese ich weiter und erfahre, dass mehrere Quellen nachgeforscht haben. Tatsächlich sind die Filme nicht umsortiert. Von vorher über 400 Genre-Filmen sind mittlerweile nur noch eine Handvoll bei Maxdome aufzufinden. Das war also eine saftige Lüge, man habe das einfach nur umgestellt. Und was antwortet dieser Saftladen, auf jene Unwahrheiten angesprochen? "Ja, wir haben zugunsten der Familienfreundlichkeit einige Filme aus dm Programm genommen, aber man findet ja immer noch lesbischwule Filme bei uns, nur halt in anderen Sparten."
ICH GEB DIR GLEICH FAMILIENFREUNDLICHKEIT!!!
Wow, ich könnte gerade explodieren! Da hat die Muse Incompetentia zugeschlagen, oder war es einfach dasGrundsatzprogramm Inquisitionsprogrammat der AfD, das hier zum Tragen kommt? Da werden weiter völlig unproblematisch Pornos und Splatterfilme angeboten, naja komm, das ist doch auch eher familientauglich, schließlich erlebt jede Familie das in ihrem Haushalt fast täglich. Aber zwei Männer, die sich küssen, zwei Frauen, die sich streicheln, eine Romanze zu dritt, entschuldigung, das kann man keiner Familie zumuten. Die klassische nukleare Familie aus Mutter, Vater und Kind muss gestärkt werden.
Da ist es nur ein Tropfen auf das heiße Bein, dass die AfD in aktuellen Umfragen endlich wieder Zustimmung einbüßt. Es ist immer noch zuviel des Guten. Schade, dass ich kein Maxdome-Abo habe, sonst könnte ich es jetzt kündigen. Aber immerhin kann ich die Seite weiter boykottieren.
Shame on you, Maxdome!
Maxdome wird gern mal im Fernsehen beworben als Netzangebot von Pro7 und Konsorten - mit dem Stolz, eine riesige Auswahl anzubieten und eigentlich DIE Adresse schlechthin zu sein, wenn man Filme online sehen möchte. Und wunderbar: Wie oft ist es schon vorgekommen, dass ich einen Film unbedingt sehen wollte, der aber wiederum in ein Nischenprogramm gehörte und für mich damit nicht leicht aufzufinden war. Sicherlich hätte Maxdome mir weitergeholfen.
Bis vor Kurzem hatte dieser Saftladen eine Sparte, ein spezielles Filmgenre "Queer" im Angebot und damit ein Alleinstellungsmerkmal unter dem reichhalten Netz-Kino-Overkill. Über 400 Filme aus dem SchwuLesBischen Angebot (und all seinen Spielarten, LGBTQIS oder so ^^). Klasse! Denn es ist nun mal so, dass solche Filme nicht als massentauglich angesehen und deswegen selten angeboten werden. Labels wie Pro-Fun oder Salzgeber kämpfen darum, ihre Filme einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Und wir alle wissen, dass es nicht nur die zehn Prozent der Gesellschaft sind, die so etwas schauen. Wenn die Heten sich unbeobachtet oder einfach mal entspannt und frei fühlen, dann überkommt sie die Neugier (wen meine ich da bloß gerade???) und sie werfen zumindest mal einen Blick hinein. Und das ist auch vollkommen in Ordnung!!!
Da wollte ich also gerade stolz auf Maxdome sein und lese dann, dass der Kanal seine Sparte "Queer" auflöst. Die offizielle Begründung klingt nachvollziehbar: Man wollte das Angebot umstrukturieren, um nicht zu viele Sparten unübersichtlich werden zu lassen. Die Filme seien nun in "Romantik" und "Drama" allesamt wiederzufinden. Nun mag man davon halten, was man will. Sicherlich ist es eine lächerliche Einstellung zu glauben, man könne jegliches queere Kino in Drama oder Romantik einteilen. Macht man ja auch nicht mit Heten-Hollywood. Aber gut, ich schluck diese Übelkeit angesichts der Borniertheit erstmal herunter.
Dann lese ich weiter und erfahre, dass mehrere Quellen nachgeforscht haben. Tatsächlich sind die Filme nicht umsortiert. Von vorher über 400 Genre-Filmen sind mittlerweile nur noch eine Handvoll bei Maxdome aufzufinden. Das war also eine saftige Lüge, man habe das einfach nur umgestellt. Und was antwortet dieser Saftladen, auf jene Unwahrheiten angesprochen? "Ja, wir haben zugunsten der Familienfreundlichkeit einige Filme aus dm Programm genommen, aber man findet ja immer noch lesbischwule Filme bei uns, nur halt in anderen Sparten."
ICH GEB DIR GLEICH FAMILIENFREUNDLICHKEIT!!!
Wow, ich könnte gerade explodieren! Da hat die Muse Incompetentia zugeschlagen, oder war es einfach das
Da ist es nur ein Tropfen auf das heiße Bein, dass die AfD in aktuellen Umfragen endlich wieder Zustimmung einbüßt. Es ist immer noch zuviel des Guten. Schade, dass ich kein Maxdome-Abo habe, sonst könnte ich es jetzt kündigen. Aber immerhin kann ich die Seite weiter boykottieren.
Shame on you, Maxdome!
Montag, 2. Mai 2016
Clamotes Infernales (nom.pl.f.)
Heute gab's Post von EMP, neue Spiral-Shirts sind angekommen. Jetzt darf es gern Sommer werden.
Das erinnert mich an die Zeit im Referendariat und an die Infobroschüre des IQSH zum Thema "Vorbereitungsdienst". Das war mal pure Gehirnwäsche, Gleichschaltungsversuch erster Güte. Manch ein Mitarbeiter, absolut überzeugt von sich und seinem Handeln - muss man wohl, wenn man ein Teil des IQSH werden möchte - geht durchaus davon aus, dass jeder Uni-Absolvent so werden möchte (und auch sollte) wie er. Sonst hätte er nicht durchblicken lassen, er sei überzeugt davon, dass wir - unbedarft, wie wir damals waren - später einmal genauso qualifiziert werden wie er. So qualifiziert, dass wir damit kaum noch an der Schule arbeiten werden. Wegbelobigen, jeder Qualifizierte an den Ort, wo er möglichst wenig Schaden anrichtet.
Wenn ich mich strikt an die Broschüre gehalten hätte, würde ich jetzt anders in der Schule herumlaufen. Denn so heißt es in diesem Blatt unter Anderem zum Thema "Kleidung" auf Seite 17: "Da Sie als Lehrkraft Vorbildfunktion haben, achten Sie bitte auf angemessene Sprache und Kleidung." Wie nichtssagend! "Angemessen" ist genau der richtige Ausdruck für meine Sprache - angemessen an die Klientel, die ich da zu erudieren habe.
Und das Thema Kleidung hatten wir ja schon, who cares, warum ich schwarz trage? Es gibt mir ein Gefühl der Genugtuung, meine clamotes infernales zu tragen, allein schon, um dem IQSH eins auszuwischen.
Naja, dem Laden sei Fairness geboten - zumindest der Formulierung in der Broschüre nach wird unkonventionelles Denken begrüßt. Auf Seite 3 steht: "Das IQSH setzt auf innovatives Denken an den Schulen.", dabei wird aber nicht erwähnt, dass es das innovative Denken des IQSH sein muss. Alternative Methoden werden mit 5 benotet, da wird nicht lang diskutiert (und deswegen wird man immer die "angemesseren" Bewerber mir vorziehen). Es gibt nur EINE Art, Lehrer zu werden. Es gibt nur EINE Hauptstraße durch die Ausbildung. Und den Text.
Ich vermisse das Referendariat nicht.
Das erinnert mich an die Zeit im Referendariat und an die Infobroschüre des IQSH zum Thema "Vorbereitungsdienst". Das war mal pure Gehirnwäsche, Gleichschaltungsversuch erster Güte. Manch ein Mitarbeiter, absolut überzeugt von sich und seinem Handeln - muss man wohl, wenn man ein Teil des IQSH werden möchte - geht durchaus davon aus, dass jeder Uni-Absolvent so werden möchte (und auch sollte) wie er. Sonst hätte er nicht durchblicken lassen, er sei überzeugt davon, dass wir - unbedarft, wie wir damals waren - später einmal genauso qualifiziert werden wie er. So qualifiziert, dass wir damit kaum noch an der Schule arbeiten werden. Wegbelobigen, jeder Qualifizierte an den Ort, wo er möglichst wenig Schaden anrichtet.
Wenn ich mich strikt an die Broschüre gehalten hätte, würde ich jetzt anders in der Schule herumlaufen. Denn so heißt es in diesem Blatt unter Anderem zum Thema "Kleidung" auf Seite 17: "Da Sie als Lehrkraft Vorbildfunktion haben, achten Sie bitte auf angemessene Sprache und Kleidung." Wie nichtssagend! "Angemessen" ist genau der richtige Ausdruck für meine Sprache - angemessen an die Klientel, die ich da zu erudieren habe.
Und das Thema Kleidung hatten wir ja schon, who cares, warum ich schwarz trage? Es gibt mir ein Gefühl der Genugtuung, meine clamotes infernales zu tragen, allein schon, um dem IQSH eins auszuwischen.
Naja, dem Laden sei Fairness geboten - zumindest der Formulierung in der Broschüre nach wird unkonventionelles Denken begrüßt. Auf Seite 3 steht: "Das IQSH setzt auf innovatives Denken an den Schulen.", dabei wird aber nicht erwähnt, dass es das innovative Denken des IQSH sein muss. Alternative Methoden werden mit 5 benotet, da wird nicht lang diskutiert (und deswegen wird man immer die "angemesseren" Bewerber mir vorziehen). Es gibt nur EINE Art, Lehrer zu werden. Es gibt nur EINE Hauptstraße durch die Ausbildung. Und den Text.
Ich vermisse das Referendariat nicht.
Sonntag, 1. Mai 2016
Das Ding mit der Übersetzung
"Boah, warum müssen wir überhaupt Englisch können?" - Diese Frage höre ich so oft, man sollte es nicht glauben, ist diese Klage doch besser im Fach Latein aufgehoben. Und was antworte ich dann? Ich erzähle Geschichten aus der Welt der Videospiele, um zu veranschaulichen, was passiert, wenn man der englischen (und deutschen) Sprache nicht mächtig ist. Da kommt es in den deutschen Lokalisierungen gern mal zu unfreiwillig komischen Momenten - ausgerechnet im Genre des Survival Horror.
Das Genre findet seine Wurzeln in Spielen wie Sweet Home, Clock Tower, Alone in the Dark und Resident Evil, um nur ein paar zu nennen. Die Prämisse ist dabei eigentlich immer gleich: Hauptfigur landet durch unvorhergesehenen Zwischenfall in einer gefährlichen Situation (Geisterhaus, Zombiestadt, Ruinen) und muss versuchen, zu überleben. Im Laufe dessen müssen Rätsel gelöst werden und die Hintergrundgeschichte des gefährlichen Ortes aufgedeckt werden. Dabei sind die Rätsel meistens völlig fehl am Platz ("Benutze rosa Gummiball, um Loch in Abfluss zu stopfen und einen festgeklemmten Schlüssel wegzuspülen", großer Dank an Silent Hill) - was nicht heißt, dass sie keinen Spaß machen - und die Geschichten sind recht unrealistisch, ganz im Tenor der Rätsel. Wobei das kein Kritikpunkt sein sollte; wenn ich realistischen Survival Horror möchte, dann gehe ich einfach in eine Brennpunktschule. Wobei ich da leider keine Schrotflinte habe, um mir die Zombies vom Hals zu schaffen.
Ich weiß nicht, warum es ausgerechnet in diesem Genre so häufig zu unsinnigen Übersetzungen kommt - mag es daran liegen, dass man Übersetzungsprogramme wie Babelfish angewendet hat, die mit richtigem Deutsch nicht viel am Hut haben? So wird dann aus "Simulacrum Mask. I got it." das herrliche (Caro weiß, was jetzt kommt) "Spiegelung Maske. Ich habe es." Klingt ein bisschen wie "Klausur sechs. Ich teile aus." oder "Job fest. Ich habe sie." Großer Dank an Project Zero, auch für "Fortgegeisterte" als Übersetzung von "Spirited Away". Sehr schön auch manchmal die Gelassenheit der Figuren angesichts ungewöhnlicher Umstände: "Nur die geschmolzenen Überreste einer Hand. Nicht weiter interessant."
Ich bin für diese komischen Momente ganz dankbar. Denn man muss dem Survival Horror eines lassen: Er bringt einen zum Fürchten, zumindest bei so intensiven Spielen wie Silent Hill 2 oder Project Zero 2. Da kommt man ins Schwitzen, da sitzt man auf der Kante des Stuhls, da erschreckt man sich bei jeder Kleinigkeit und muss sich auch noch gegen Monster wehren, dat kann nich jeder, mitte viele Knöppe da! Und da kann ein bisschen comic relief ab und an gut tun.
(Was nicht heißen soll, dass nicht auch andere Spiele großartige Fehlübersetzungen produzieren - zum Beispiel Final Fantasy VII, ein Ausbund an Sprachfreude, in dem aus "Take's Sword" dann "Nimm's Schwert" wird (Take ist ein Name) und aus dem Angriff "Takedown" wird "Flachlegen").
Solche Geschichtchen erzähle ich meinen Schülern, in der Sicherheit, dass sie solche Übersetzungen natürlich auch fürchterlich finden. Stattdessen: "Was haben sie denn, sie wissen doch, was damit gemeint ist." Und das Grausige: Sie haben Recht. Nächstes Mal an der Fleischtheke werde ich sagen: "Hackfleisch Pfund. Ich kaufe ihn." und an der Kasse "Euro Zwanzig. Du nimmst es."
Abend Feier, ich brauche es.
Das Genre findet seine Wurzeln in Spielen wie Sweet Home, Clock Tower, Alone in the Dark und Resident Evil, um nur ein paar zu nennen. Die Prämisse ist dabei eigentlich immer gleich: Hauptfigur landet durch unvorhergesehenen Zwischenfall in einer gefährlichen Situation (Geisterhaus, Zombiestadt, Ruinen) und muss versuchen, zu überleben. Im Laufe dessen müssen Rätsel gelöst werden und die Hintergrundgeschichte des gefährlichen Ortes aufgedeckt werden. Dabei sind die Rätsel meistens völlig fehl am Platz ("Benutze rosa Gummiball, um Loch in Abfluss zu stopfen und einen festgeklemmten Schlüssel wegzuspülen", großer Dank an Silent Hill) - was nicht heißt, dass sie keinen Spaß machen - und die Geschichten sind recht unrealistisch, ganz im Tenor der Rätsel. Wobei das kein Kritikpunkt sein sollte; wenn ich realistischen Survival Horror möchte, dann gehe ich einfach in eine Brennpunktschule. Wobei ich da leider keine Schrotflinte habe, um mir die Zombies vom Hals zu schaffen.
Ich weiß nicht, warum es ausgerechnet in diesem Genre so häufig zu unsinnigen Übersetzungen kommt - mag es daran liegen, dass man Übersetzungsprogramme wie Babelfish angewendet hat, die mit richtigem Deutsch nicht viel am Hut haben? So wird dann aus "Simulacrum Mask. I got it." das herrliche (Caro weiß, was jetzt kommt) "Spiegelung Maske. Ich habe es." Klingt ein bisschen wie "Klausur sechs. Ich teile aus." oder "Job fest. Ich habe sie." Großer Dank an Project Zero, auch für "Fortgegeisterte" als Übersetzung von "Spirited Away". Sehr schön auch manchmal die Gelassenheit der Figuren angesichts ungewöhnlicher Umstände: "Nur die geschmolzenen Überreste einer Hand. Nicht weiter interessant."
Ich bin für diese komischen Momente ganz dankbar. Denn man muss dem Survival Horror eines lassen: Er bringt einen zum Fürchten, zumindest bei so intensiven Spielen wie Silent Hill 2 oder Project Zero 2. Da kommt man ins Schwitzen, da sitzt man auf der Kante des Stuhls, da erschreckt man sich bei jeder Kleinigkeit und muss sich auch noch gegen Monster wehren, dat kann nich jeder, mitte viele Knöppe da! Und da kann ein bisschen comic relief ab und an gut tun.
(Was nicht heißen soll, dass nicht auch andere Spiele großartige Fehlübersetzungen produzieren - zum Beispiel Final Fantasy VII, ein Ausbund an Sprachfreude, in dem aus "Take's Sword" dann "Nimm's Schwert" wird (Take ist ein Name) und aus dem Angriff "Takedown" wird "Flachlegen").
Solche Geschichtchen erzähle ich meinen Schülern, in der Sicherheit, dass sie solche Übersetzungen natürlich auch fürchterlich finden. Stattdessen: "Was haben sie denn, sie wissen doch, was damit gemeint ist." Und das Grausige: Sie haben Recht. Nächstes Mal an der Fleischtheke werde ich sagen: "Hackfleisch Pfund. Ich kaufe ihn." und an der Kasse "Euro Zwanzig. Du nimmst es."
Abend Feier, ich brauche es.
Abonnieren
Posts (Atom)




