Donnerstag, 15. Januar 2026

Klinisch

Cronenberg lässt grüßen - und der Autist ist fasziniert.

vorweg: In diesem Beitrag geht es um Film, aber auch um den Zustand meiner Wohnung und damit, gewissermaßen, um meinen Zustand.

Klinisch.

Dieses Wort ist mir in den letzten Jahren immer wieder begegnet. Klinische Diagnose. Klinische Psychiatrie. Auch in der Filmwissenschaft: Klinische Beobachtungen. Clinical direction. Aus zwei Gründen musste ich eben daran denken. Zum einen ist mein Schreibtisch mittlerweile so aufgeräumt, dass er mir fast klinisch rein vorkommt. Die Kabel und die Tastatur werfen ihre Schatten, die sind mir vorher nie aufgefallen. Hier liegt nichts mehr einfach so herum. Es ist fast wie damals in den Kronshagener Bergen

Zum anderen musste ich heute bei einem Film von Halina Reijn daran denken. 2025 ist ihr Film Babygirl erschienen, mit einer bemühten Nicole Kidman und klinischen Beobachtungen von Sex und BDSM. Leider nicht ganz so herrlich-unterhaltsam wie damals mit Maggie Gyllenhaal und James Spader im Film Secretary von 2002 (oder so mysteriös-faszinierend wie in David Cronenbergs Crash von 1996, der eine Nachfolgerin im Geiste gefunden hat in Julia Ducournaus Titane von 2021 - beides sehr mutige Filme, ich bin froh, dass ich sie "erleben" durfte, weiß aber nicht, ob ich das unbedingt wiederholen möchte. Naja. Bei Cronenberg schon.), aber egal, das hat mich daran erinnert, dass Reijns vorangegangenes Werk, Bodies Bodies Bodies von 2022 ja so ein tolles satirisches Whodunit für die Gen Z sein soll. Als ich den Film damals gesehen hab, fand ich den nicht so toll und habe das Ende tatsächlich auch komplett falsch verstanden. Heute habe ich den Film noch einmal gesehen und oft lachen und die Augen verdrehen müssen. Irre, wie die Gen Z und ihre Macken da auf's Korn genommen werden. 

Dieses "Neuentdecken" des Films hatte einen großartigen Effekt, genau wie damals bei der Episode Syzygy aus der Serie The X-Files. Ich habe richtig gute Laune bekommen, bin mit richtig guter Laune in ein erholsames Bad mit Fichtennadelduft gestiegen und habe danach eine Stunde mit richtig guter Laune in Meditation verbracht. Danach habe ich die postalische Antwort auf meinen Befreiungsantrag gelesen - dazu bei Gelegenheit mehr.

Jetzt gibt es etwas Leckeres, leicht Verträgliches, und danach brauche ich definitiv nochmal das Augenverdrehen- und Schmunzeln-Gefühl, allerdings nicht bei der Gen Z, sondern bei meiner eigenen Jugend: Es wird Zeit, endlich mal wieder Scream von 1996 zu schauen ;-)

In einer (zu 1/3) klinisch sauberen Wohnung. 

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