Dienstag, 28. Februar 2017

Lebenslänglich

KEINE Ahnung, warum ich das Bild hier nutze. Leider sind viele Klischees über Fahrer dieser Hersteller nicht unbegründet. Thanks to all these Mr Personalities...

Dieser Tage wurde in Berlin ein Urteil gesprochen, das wohl in die Rechtsgeschichte eingehen wird. Der Fall an sich - leider - nichts Ungewöhnliches: Zwei junge Männer im damaligen Alter von 24 bzw. 27 Jahren mussten eines Nachts auf dem Berliner Ku'Damm raushängen lassen, wer der größere Macker ist - mit Audi und Mercedes, muss ich nicht weiter kommentieren, denn das hat der Richter ziemlich ausführlich erledigt. "Ampelstechen"... ich könnte kotzen, und das Schlimmste daran: Ich kann ja sogar verstehen, warum manche das machen.

Der Vorwurf: Beim nächtlichen illegalen Autorennen mit 170 bzw. 140 km/h über diese Berliner Hauptverkehrsader wurde ein Rentner in seinem Auto angefahren und getötet.

Das Urteil lautet in diesen Fällen für gewöhnlich auf fahrlässige Tötung, da kein Tötungsvorsatz vorliegt. Haftstrafe auf Bewährung, Geldstrafe, vorläufiger Führerscheinentzug, MPU. Doch diesmal war das anders. Und ich muss einfach den Tonfall, den die eine oder andere Zeitung dabei verwendet hat, in Teilen nachahmen, weil ich es mir bildlich vorstellen kann - den Gerichtssaal, die beiden Angeklagten erheben sich zum Richterspruch, ihre Verteidiger stehen bei ihnen, die Verlobten der jungen Männer im Zuschauerraum. Und dann donnert der Richterspruch durch Ralph Ehestädt durch den Saal:

Die Anklage: Vorsätzlicher Mord.
Das Urteil: Lebenslängliche Haft für beide und lebenslanger Führerscheinentzug.

Es ist das härteste Urteil, das bisher in Sachen Raserei in Deutschland gesprochen wurde, stößt aber vielerseits auf großen Zuspruch. Bei mir auch. Und es rührt mich ähnlich wenig wie den vorsitzenden Richter, wenn die Angeklagten dann mit zeitlichem Abstand zusammensacken und die Scherben ihres jungen Lebens vor sich sehen.

Es dauert anderthalb Stunden, bis die Urteilsbegründung abgeschlossen ist. Und es steht fest: Wer sich zu einem solchen  Autorennen überreden lässt, nimmt billigend den Schaden und Tod Unbeteiligter in Kauf. Das lässt die Autos zu Mordwerkzeugen, zu gemeingefährlichen Tatwaffen werden. Und daher ist das Strafmaß enorm - und absolut nötig als Ansage gegen eine Szene, die bisher viel zu glimpflich davonkommt angesichts der Menschenleben, die sie fordert.

Es wird Revision eingelegt, ein Bundesgericht muss den Fall prüfen - bis dahin bleiben die Angeklagten in Untersuchungshaft - sinnvoll, um sie jeglicher möglichen Gefährdung Anderer zu entziehen. Und ich hoffe, dass die nächste Instanz das Urteil bestätigt.

Männer von ihrer hässlichen Seite. Mir kommt das Essen hoch.

post scriptum: Ich finde, dass Geschwindigkeitsdelikte viel härter bestraft werden sollten. Auf der Neumünsteraner Max-Johannsen-Brücke fahren 80% der Autos zu schnell (ebenso wie an den Holstenhallen) - die Stadt könnte sich dumm und dämlich verdienen! Muss erst jemand zu Tode kommen, damit mal deutliches Recht gesprochen wird?

Nicht falsch verstehen: Ich liebe es, schnell zu fahren. Der Temporausch ist spannend, das Gefühl von Bewegung, ich kann es nicht besser beschreiben. Aber Tempolimits gelten und ich möchte niemandem durch meine Fahrweise Schaden zufügen. Wer den Blog verfolgt, weiß, dass ich auch mal anders gedacht habe.

Deswegen versuche ich mir den Adrenalinkick und Geschwindigkeitsrausch in Achterbahnen zu holen - dabei verletze ich (in der Regel) niemanden.

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